Damaskus/Brüssel/Washington (dpa) - Zehntausende Syrer haben die Drohungen der Regierung in den Wind geschlagen und erneut für demokratische Reformen demonstriert. In mehreren Ortschaften gab es gewaltsame Zusammenstöße mit Angehörigen der Sicherheitskräfte.

Wegen fortgesetzter Menschenrechtsverletzungen durch die syrische Führung erließen die USA am Freitag Sanktionen gegen Vertreter des Regimes von von Präsident Baschar al-Assad. US-Präsident Barack Obama habe einen entsprechend Erlass unterzeichnet, teilte das Weiße Haus in Washington mit.

Unter anderem seien ein Bruder und ein Cousin Assads betroffen. Wie andere Geheimdienst-Offizielle sollen sie keinen Zugriff mehr auf ihr Eigentum in den Vereinigten Staaten haben. US-Bürgern wird untersagt, Geschäfte mit ihnen zu machen.

Die EU will Syrien mit einem Waffenembargo bestrafen. Es kämen auch die millionenschwere Hilfszahlungen der Union an das gewalterschütterte Nahost-Land auf den Prüfstand, berichteten Diplomaten am Freitagabend in Brüssel nach einer Sitzung der ständigen Botschafter der 27 EU-Staaten. Die Sanktionen müssen allerdings noch förmlich beschlossen werden, beispielsweise durch die EU-Außenminister, hieß es weiter.

Zuvor hatten die Europäer keine offizielle Verurteilung Syriens im UN-Sicherheitsrat durchsetzen können. Ein unter anderem von Deutschland eingebrachter Entwurf fand nicht die Zustimmung des 15-Länder-Gremiums.

Der Menschenrechtsrat der Vereinten Nationen sprach sich für eine Untersuchung von Menschenrechtsverstößen der syrischen Regierung aus. Das Gremium in Genf verabschiedete eine Resolution, die die brutale Gewalt gegen Demonstranten verurteilt und das Hochkommissariat für Menschenrechte mit Ermittlungen beauftragt.

Das Auswärtige Amt (AA) gab indes eine Reisewarnung für Syrien heraus - die höchste Stufe der Reise- und Sicherheitshinweise. Deutschen, die sich noch in Syrien aufhalten, empfiehlt das Ministerium die sofortige Ausreise. Syrien gehört damit zu den weltweit 19 Ländern, für die es eine Reise- oder Teilreisewarnung gibt.