Wolfsburg (dpa) - Das «System Magath» greift und verschont auch Stars wie Diego nicht. Sichtlich frustriert flüchtete der Regisseur des VfL Wolfsburg in die Kabine, als ihn Trainer Felix Magath im Nord-Duell bei Werder Bremen nach 79 Minuten auswechselte.

Kein Abklatschen, kein Schulterklopfen, dafür Sympathie-Bekundungen der Bremer Fans, die Diegos Glanztaten für Werder nicht vergessen haben. Gut zehn Minuten später, als das 1:0 (1:0) der Wolfsburger endgültig unter Dach und Fach war, stand er wieder auf dem Platz und feierte mit den VfL-Profis den wichtigen «Dreier» im Abstiegskampf.

«Ich wollte mein Trikot wechseln», erläuterte Diego nach Spielschluss sein schnelles Verschwinden und fügte mit einem freundlichen Lächeln hinzu: «Natürlich akzeptiere ich die Maßnahme des Trainers, mich auszuwechseln.» An alter Wirkungsstätte versprühte der Brasilianer zwar nicht den Glanz früherer Tage, zeigte aber eine ordentliche Leistung und freute sich über den herzlichen Empfang in Bremen. «Die Fans haben meinen Namen gerufen. Das ist eine neue Erfahrung für mich. Ich werde Bremen immer im Herzen haben», sagte Diego, der wie alle Wolfsburger viel nach hinten arbeitete.

«Ich wollte einen offensiven Spieler rausnehmen, um das 1:0 zu halten», begründete Magath die Diego-Auswechslung. «Dass er darüber sauer ist, kann ich verstehen.» Einen Klärungsbedarf gäbe es nicht, meinte der VfL-Coach. Er hatte seiner Mannschaft eine Kontertaktik verordnet, die auf einer starken Defensive beruhte. Den zweiten Sieg in Serie bewertete Magath bei zwei noch ausstehenden Partien ebenso nüchtern und realistisch: «Das ist ein weiterer Schritt Richtung Klassenerhalt, aber geschafft haben wir es noch nicht.»

Das Siegtor von Sascha Riether (22. Minute) verschaffte den VfL-Profis zwei trainingsfreie Tage und vergrößerte die Bremer Abstiegsnöte. Eigentlich wollten die Werder-Spieler ihrem Trainer Thomas Schaaf einen Tag vor dessen 50. Geburtstag am Samstag ein vorzeitiges Geschenk machen. Doch statt Rettung gab es die erste Niederlage nach acht Partien. «Wir haben uns nicht genügend bewegt, um Chancen heraus zu spielen. Jetzt wird es wieder eng, aber daran sind wir selber schuld», urteilte Kapitän Torsten Frings, der sein 400. Spiel in der Fußball-Bundesliga absolvierte.

Ungewohnt martialisch gab sich Klaus Allofs. «Wir müssen in dieser Situation das Messer zwischen den Zähnen haben, aber das hat gefehlt. Ich hatte den Eindruck, wir wollten das spielerisch lösen», sagte Werders Clubchef. «Wir werden aber nicht absteigen, davon bin ich überzeugt.» Das Restprogramm mit Spielen gegen Borussia Dortmund und dem 1. FC Kaiserslautern hat es aber in sich. «Ich betone seit Wochen, dass wir bis zum letzten Spieltag kämpfen müssen», erklärte Schaaf. Auf die Frage, ob man nach der Partie gute Geburtstagslaune haben kann, antwortete der Trainer trocken: «Wenn Sie noch länger Fragen stellen, wird das schwer.»