München (dpa) - Florian Mayer reckte die Arme kurz in die Höhe und ließ sich als Finalist von München bejubeln, der geschlagene Philipp Petzschner schulterte seine Tennistasche und verließ «riesig enttäuscht» den Center Court.

Im deutschen Halbfinal-Duell hatte der favorisierte Mayer gegen seinen Davis-Cup-Teamkollegen bei den Internationalen Tennismeisterschaften von Bayern mit 6:3, 6:4 souverän die Oberhand behalten. «Ich bin in München im Finale, das erste Mal bei einem deutschen Turnier. Ich bin super happy», sagte ein dennoch sehr gefasster Mayer, den ein «taktisch fast perfektes Match» zum vierten Mal in ein ATP-Endspiel brachte.

Anders als bei den verlorenen Finals von Stockholm (2010/Halle/Hartplatz) sowie denen von Sopot/Polen 2005 und 2006 will Mayer jetzt endlich seinen ersten Sieg. Dieser würde mit 68 850 Euro sowie einem Cabrio belohnt - und mit 250 Punkten für die Weltrangliste, in der der Rechtshänder am Ende des Jahres in den Top 30 stehen möchte. Das dürfte ihm bereits schon mit dem Final-Einzug den BMW Open zum ersten Mal in seiner Karriere geglückt sein. «Ich traue ihm Top 30 zu, würde ihm Top 20 wünschen», sagte Petzschner und hofft, dass Mayer «den Titel nach Hause holt». Das war zuletzt Philipp Kohlschreiber vor vier Jahren gelungen.

Bis «kurz vor Krämpfen» hatte Mayer am Vortag noch im Viertelfinale über drei Sätze gekämpft und sich am Samstagfrüh beim «Aufwachen nicht gut gefühlt». Aber davon war dem 27-Jährigen im Duell der beiden Freunde nichts anzumerken. Dagegen war das Spiel von Petzschner deutlich fehleranfälliger als in den vorangegangenen Turniertagen, in denen der ebenfalls 27-Jährige wie vor einem Jahr ins Halbfinale vorgerückt war. Zwei Deutsche im Semifinale, das hatte es auf dem Münchner Sand seit Bernd Karbacher und Michael Stich seit 1994 nicht mehr gegeben.

Fair ging es zu im Match der beiden «guten Kumpel» (Mayer), die sich schon seit über zwei Jahrzehnten kennen und mittlerweile beide Leistungsträger im deutschen Davis-Cup-Team sind. «Ich glaube nicht, dass wir uns irgendwas missgönnen», sagte Petzschner. Zweimal wurde ein Ball von ihm «Aus» gegeben. Mayer gab einen gut, einen anderen ließ er vom Schiedsrichter kontrollieren. Zweimal gab es den Punkt für Petzschner, doch auch das konnte ihn vor den Augen von Turnierdirektor und Davis-Cup-Teamchef Patrik Kühnen nicht vor dem Verlust des ersten Satzes nach 31 Minuten bewahren.

Auch im zweiten Durchgang fand der Weltranglisten-76. gegen den 41 Plätze höher rangierenden Mayer letztlich kein Mittel, wenngleich er ein Break mit einem Rebreak kontern konnte. Aber Mayer behielt die Nerven und verwandelte nach 73 Minuten den ersten von zwei Matchbällen. «Er hatte den besseren Tag. Florian hat ein sehr gutes Match gespielt. Ich habe nicht wirklich zu meinem Spiel gefunden», sagte der unterlegene Doppel-Gewinner von Wimbledon.