Madrid (dpa) - Ihr erbitterter Kleinkrieg hat Spaniens Fußball-Erzrivalen aus der Konzentration gebracht: Vor dem nächsten «Clásico» im Halbfinal-Rückspiel der Champions League unterlagen sowohl Titelverteidiger FC Barcelona als auch Verfolger Real Madrid in der Primera División.

Das Titelrennen ist damit praktisch zugunsten von Barça entschieden. Die «Königlichen» verloren im heimischen Bernabéu-Stadion 2:3 (0:1) gegen den Abstiegskandidaten Real Saragossa, die Katalanen mussten sich beim Mittelfeldteam Real Sociedad 1:2 (1:0) geschlagen geben. Bei acht Punkten Vorsprung auf die Madrilenen könnten Lionel Messi und Co. die 21. Meisterschaft schon am kommenden Wochenende drei Spieltage vor Saisonende feiern.

Nach der Niederlage gegen Saragossa gab sich Reals umstrittener Coach José Mourinho erstmals in dieser Saison selbstkritisch - wenngleich mit gebührendem Abstand in dritter Person: «Der Trainer hat es nicht verstanden, seine Spieler genügend zu motivieren», sinnierte der Portugiese, der Cristiano Ronaldo für die Champions League schonte. «Im Bernabéu herrscht Depression», meinte die Zeitung «El Mundo» über die Partie, in der ein Anfängerfehler von Torwart Iker Casillas die Gäste in der 40. Minute in Führung gehen ließ. Beim Versuch, den Ball mit dem Fuß abzuwehren, trat der Keeper in die Luft, was Lafita zum Führungstreffer nutzte.

Erst mit der Einwechslung von Mesut Özil in der 61. Minute schien sich die Partie für den Rekordmeister zum Besseren zu wenden. Nach einem weiteren Gegentor durch Gabi (54./Foulelfmeter) gelang Sergio Ramos (62.) nach einem Eckball des Ex-Bremers der Anschlusstreffer. Für die Entscheidung sorgte Lafita (77.) mit seinem zweiten Tor. Madrids zweiter Treffer durch Karim Benzema (85.), eingeleitet durch einen Pass Özils, kam zu spät. Sein Nationalmannschaftskollege Sami Khedira ist weiter verletzt und kam daher nicht zum Einsatz.

Drei Tage vor dem Duell mit Real schonte auch Barcelonas Trainer Josep Guardiola mehrere Stammkräfte. Thiago Alcántara brachte die Katalanen in der 29. Minute trotzdem in Führung. Doch Diego Ifrán (71.) und Xabi Petro per Elfmeter (83.) drehten die Partie noch zugunsten von Real Sociedad. Für Barça ging damit eine Serie von 31 Liga-Spielen ohne Niederlage zu Ende. «Sie haben uns eine große Lektion erteilt», räumte Guardiola ein. «Wir können eben doch verlieren.»

Zu der Schlammschlacht ihrer Vereine wollten sich beide Trainer nicht äußern. Im ersten Halbfinale, das Barça vergangenen Mittwoch 2:0 gewann, war es zu Rangeleien und Wortgefechten gekommen. Die Verbalattacken von Mourinho gegen den Erzrivalen hatten im Anschluss dazu geführt, dass sich die zwei Clubs gegenseitig bei der UEFA anzeigten. Diese wiederum leitete gegen beide Vereine Disziplinarverfahren ein. Über eine längere Strafe für Mourinho wird die Disziplinarkommission der UEFA am 6. Mai entscheiden.