Estoril (dpa) - Kalt wie Hundeschnauze und nun schon so erfolgreich wie der Vater: Stefan Bradl ist in der Form seines Lebens.

Beim Motorrad-WM-Lauf von Portugal in Estoril raste der Zahlinger in der Moto2 zu seinem zweiten Saisonsieg und zog mit seinem insgesamt fünften Erfolg mit Vater Helmut gleich. Gleichzeitig übernahm er nach dem dritten Saisonrennen wieder die Führung in der Gesamtwertung.

Damit aber nicht genug mit freudigen Nachrichten aus deutscher Sicht. Sandro Cortese kam in der 125-Kubikzentimeter-Klasse hinter dem nun schon dreifachen Saisonsieger Nikolas Erol aus Spanien auf Platz zwei und ist nun auch Gesamtzweiter. Sieger in der «Königsklasse» MotoGP wurde der Spanier Daniel Pedrosa auf Honda vor Titelverteidiger Jorge Lorenzo (Spanien/Yamaha).

Bradl ist gereift. Mit unglaublicher Cleverness fuhr der 21-Jährige zum Sieg, nachdem er wie bereits in Katar und Jerez von der Pole Position gestartet war. Doch anders als beim Auftaktsieg gab es für Bradl einige Probleme. «Mein Bremsdruck veränderte sich andauernd, ich musste ständig nachjustieren. das war sehr ärgerlich», berichtete der neue WM-Spitzenreiter. Auch mit der Konkurrenz hatte er es nicht leicht. «Ich wusste ständig, wer hinter mir ist. Aber irgendwie bin ich cooler geworden. Ich habe mir gesagt: Wenn einer schneller ist, soll er mich doch überholen», erzählte Bradl.

Zwei waren schneller als der Schwabe, doch nur kurzzeitig. Der Schweizer Tom Lüthi bezahlte seinen Angriff auf die Spitzenposition ebenso mit einem Sturz wie in der Endphase der Italiener Andrea Iannone. «Sie haben beide Fehler gemacht», kommentierte Bradl die Manöver, von denen er sich nicht aus dem Konzept bringen ließ. «Ich habe mich nicht abbringen lassen, habe mich auf mich selbst konzentriert. Ich muss nicht gewinnen, kann auch mit einem zweiten oder dritten Platz leben. Aber ich will gewinnen. Und wenn es dann gelingt, bin ich richtig happy», berichtete Bradl, sprach aber auch von einem der härtesten Rennen in seiner Karriere.

Dass es nicht einmal auf dem Siegerpodest eine Jubelorgie mit Sektdusche gab, zeigte Bradls menschliche Größe. Der Drittplatzierte Yuki Takahashi aus Japan betrauert seinen jüngeren Bruder, der in der Woche bei einem Verkehrsunfall sein Leben verlor. Während Takahashi mit den Tränen kämpfte, legte Bradl mitfühlend seinen Arm um dessen Schulter.

Pech hatte der zweite deutsche Starter in dieser Klasse. Max Neukirchner aus Stollberg stürzte im freien Training und brach sich dabei den kleinen Finger. Nach einer sofortigen Operation kehrte er am Samstag bereits nach Sachsen zurück.