München (dpa) - Er fuhr teure Autos, lebte im Münchner Stadtteil Waldperlach in einer Villa: Der jüngste Sohn der libyschen Diktators Muammar al-Gaddafi soll für eine Zeit die Universität in München besucht haben, doch ein einfaches Studentenleben führte er nicht gerade.

Mehrfach geriet der Gaddafi-Sohn in der bayerischen Landeshauptstadt auch ins Visier der Polizei - doch er kam immer davon.

Einmal traf sich Saif al-Arab al-Gaddafi sogar mit dem Münchner Polizeipräsidenten Wilhelm Schmidbauer zu einem Abendessen. Dieser stellte in Interviews später klar, von einem «Freundschaftstreffen» könne keine Rede sein. Vielmehr habe er dem Gaddafi-Sohn klar gemacht, dass die Behörden weder die Ermittlungen gegen ihn einstellen noch auf seinen Wunsch nach Personenschutz eingehen würden.

Manchmal gab es kleine Meldungen über die Eskapaden des Herrscher-Sohnes aus Libyen. Einmal berichtete die Boulevard-Presse vor ein paar Jahren, sein edler Sportwagen sei zu laut gewesen und deshalb von der Polizei beschlagnahmt worden.

Kurz vor Beginn der Unruhen in Libyen wurde bekannt, dass die Münchner Staatsanwaltschaft ein Ermittlungsverfahren wegen Waffenschmuggels eingestellt hatte. Der Student sollte 2008 in einem Diplomatenauto ein Sturmgewehr, einen Revolver sowie Munition von München nach Paris gebracht haben. Laut Staatsanwaltschaft konnte ihm das aber nicht nachgewiesen werden. Der «Spiegel» hatte berichtet, das Verfahren sei trotz konkreter Zeugenaussagen eingestellt worden.

Als die Situation in seiner Heimat eskaliert war, sorgten seine Vergehen noch einmal so richtig für Aufregung. Im April kritisierte die Grünen-Rechtsexpertin Christine Stahl, offensichtlich seien Ausnahmen von rechtsstaatlichen Grundsätzen gemacht worden, dabei habe es sich keineswegs um irgendwelche «Studenten-Ulks» gehandelt. Das Justizministerium listete auf ihre Anfrage hin Fälle auf, in denen gegen den Gaddafi-Sohn ermittelt wurde: wegen Verdachts auf Waffenschmuggel, vorsätzliche Körperverletzung oder Verstoß gegen das Waffen- und Kriegswaffenkontrollgesetz. Zu einer Anklage kam es nie.

Nach Beginn der Proteste in Libyen war er aus München abgereist und hatte sich auch offiziell abgemeldet, nach «Unbekannt/Libyen» gezogen. Anfang März hieß es dann, Saif al-Arab Gaddafis Aufenthaltserlaubnis sei erloschen. Er hätte nur noch mit einem neuen Visum wieder nach Deutschland einreisen dürfen - dies würde ihm das Auswärtige Amt jedoch verwehren, erläuterte das bayerische Innenministerium.