Berlin (dpa) - Wo soll der deutsche Atommüll entsorgt werden? Baden-Württemberg ist unter der neuen grün-roten Regierung bereit, sich an der Suche nach einem Endlager zu beteiligen. Das schwarz-gelb regierte Bayern sträubt sich jedoch weiter.

Die CSU widersetzt sich strikt allen Forderungen, auch in Bayern nach einem möglichen Standort für ein Atomendlager suchen zu lassen. «Bayern ist aus geologischen Gründen für einen Endlagerstandort nicht geeignet. Es wird keine Endlagersuche in Bayern geben», sagte CSU-Generalsekretär Alexander Dobrindt dem «Hamburger Abendblatt» (Samstag).

In die festgefahrene Diskussion über die Suche nach einem Endlager für den hoch radioaktiven Atommüll aus deutschen Meilern ist durch den Regierungswechsel in Baden-Württemberg Bewegung gekommen. Die neue grün-rote Landesregierung fordert, bundesweit nach einem Endlager zu suchen. Damit wäre auch ein Lager in Baden-Württemberg möglich, was die CDU-geführten Vorgängerregierungen immer abgelehnt hatten. Bayern, wo ebenfalls mehrere Atomkraftwerke stehen und strahlenden Abfall produzieren, geriet dadurch in Zugzwang.

Bislang wird nur ein Salzstock im niedersächsischen Gorleben auf seine Eignung als Atomendlager untersucht. Auch Mecklenburg-Vorpommern wird sich laut Innenminister Lorenz Caffier (CDU) nicht an der Suche nach Alternativen zu einem möglichen Atomendlager Gorleben beteiligen. «Dafür sehe ich keine Notwendigkeit», sagte er der «Schweriner Volkszeitung» (Samstag).

EU-Energiekommissar Günther Oettinger, der als Ministerpräsident in Stuttgart jegliches Mitwirken an der Suche nach einem Standort für ein Atomlager verweigert hatte, rief Deutschland auf, eine neue, ergebnisoffene Diskussion über die Standortfrage zu führen. «Es kann nicht mehr sein, dass die Standortsuche wie ein Schwarzer-Peter-Spiel weitergegeben wird und bei jeder Regierung zu den unerledigten Akten kommt», sagte Oettinger den «Stuttgarter Nachrichten» (Montag).

In der CSU stoßen die Pläne von Parteichef Horst Seehofer für einen schnellen Ausstieg aus der Kernenergie auf Widerstand. «Die Wähler wollen keine grün lackierte CSU», sagt Ex-Parteichef Erwin Huber dem Magazin «Der Spiegel». Bundesagrarministerin Ilse Aigner (CSU) argumentierte: «Wenn wir die Kernkraft ersetzen wollen, müssen wir sagen, womit.»

Auch CSU-Wirtschaftspolitiker machen Front gegen einen übereilten Atomausstieg. «Energiepolitik war, ist und bleibt für Bayern als Industrie- und Hightech-Land die entscheidende Standort- und Wohlstandsfrage», zitiert das Magazin aus Leitlinien der Energieexperten der Landtagsfraktion.