New York (dpa) - Manche Künstler haben die New Yorker gern. Manche mag das Publikum in der Weltstadt sogar sehr. Und manche lieben sie. Jonas Kaufmann gehört dazu. Der junge Deutsche singt derzeit an der Metropolitan Opera die Rolle des Siegmund in Richard Wagners «Walküre» - und feiert rauschende Erfolge.

«Die Met ist das Eldorado eines jeden Sängers. Das ganze Studium träumt man davon - und jetzt ist es wahr», sagt der 41-Jährige. Als Kind hörte er Übertragungen aus der legendären New Yorker Oper im Radio, jetzt werden die Stücke weltweit in die Kinos übertragen - mit Kaufmann. Der ist stolz, dabei zu sein: «Die Met hatte immer einen ganz besonderen Ruf. Und den hat sie, weltweit, zu recht.»

Dabei ist Kaufmann an der Met kein Unbekannter. 2006 hatte er hier sein Debüt in «La Traviata», und im vergangenen Jahr verhalf er der neu inszenierten «Tosca» zum Erfolg, die zuvor beim Publikum durchgefallen war. «Wir haben dann einfach ein bisschen etwas geändert und dabei einen Riesenspaß gehabt. Aber wir hatten keine Ahnung, ob das beim Publikum ankommt.» Es kam an: Der zweite Anlauf sei endlich die Premiere, auf die man gewartet habe, schrieb die «New York Times» - und Kaufmann hatte seine Fußspuren hinterlassen.

Jetzt ist er selbst der Star. Zwar ist auf den Plakaten zur «Walküre» der walisische Weltklasse-Tenor Bryn Terfel zu sehen, der die Met schon seit 17 Jahren kennt. Doch die besseren Kritiken hat der Deutsche: «Das Publikum hat sich in Mr. Kaufmann verliebt», schrieb die «Times» nach der rauschenden Premiere des Fünf-Stunden-Stücks. «Gutaussehend und grüblerisch verkörpert er all den Heldenmut und die Selbstzweifel des entwurzelten Halbgottes. Seine dunkle, strukturierte und kräftige Stimme hat die ideale germanische Färbung für diese Musik.» Er sei ein wahrer Tenor, meint die «New York Times»: «Er hatte einen großen Abend.»

«Natürlich ist es ein tolles Gefühl, wenn nach dem ersten Akt alle aufspringen und stehend applaudieren», sagt Kaufmann. Das New Yorker Publikum sei zwar sehr kritisch, aber eben auch begeisterungsfähig. «Jeder hat hier die gleiche Chance, egal, ob man als Star mit großartiger Lebensleistung oder als Neuling auf die Bühne kommt: Wenn die Leistung stimmt, sind die Amerikaner großzügig.» Zuweilen werden sie sogar frenetisch. «An der Westküste hat man dann den Eindruck, man ist auf einem Popkonzert. Das sind Szenen, von denen man in Europa sagen würde, dass sich das bei Klassischer Musik nicht gehört.»

Dabei ist gerade Wagner in der Stadt, deren Musikszene von jüdischen Künstlern, Organisatoren, Spendern und Opernbesuchern geprägt ist, alles andere als einfach. Kurt Masur hatte sich bei den Philharmonikern nebenan in der Avery Fisher Hall schon Kritik anhören müssen, als er Bachs Matthäuspassion spielen wollte. Als er dann Mitte April «Les Préludes» von Franz Liszt spielte - einst die Erkennungsmelodie der Nazi-Wochenschau - sagte eine jüdische Konzertbesucherin, Liszt sei in Ordnung: «Aber zu Wagner würde ich nie gehen. Denn der war wirklich Nazi.»

«Ich habe mich oft mit diesem Thema beschäftigt», sagt Kaufmann. «Aber man sollte das Werk vom Komponisten trennen können.» Wegen Wagner habe er in New York noch keine Animositäten erlebt. «Aber man spürt hier immer wieder, was es bedeutet, in Deutschland geboren zu sein und diese Verantwortung zu tragen. Bei der Generation, die das Grauen miterlebt hat, habe ich aber auch jedes Verständnis dafür.»