Piombino (dpa) - Zwei Tage nach dem tragischen Tod des Belgiers Wouter Weylandt hat beim Giro d'Italia wieder das Rennen um Etappensiege und das Rosa Trikot begonnen. Dass Weylandts Teamkollegen nun doch nicht mehr dabei sind, kann der Giro-Chef aber nicht recht verstehen.

Mit dem Blick zur Insel Elba, Napoleons einstiger Verbannungsstätte, ist der Giro d'Italia wieder in gewohntes Fahrwasser zurückgekehrt. Die Werbekarawane wurde von der Leine gelassen, die Hits von gestern, vorgestern und vorvorgestern durchpusteten die Ohren, und die Radprofis hatten wieder einen kämpferischen Gesichtsausdruck. «Das Leben geht weiter. Wir müssen uns auf den Kurs konzentrieren», sagte der Italiener Michele Scarponi vor dem Start zur 5. Etappe, bei der das Leopard-Team am Startort Piombino fehlte.

Die Fahrer um den zweimaligen deutschen Meister Fabian Wegmann aus Freiburg hatten sich entschieden, nach dem Unfalltod ihres belgischen Teamkollegen Wouter Weylandt den Giro zu verlassen. Auch Weylandts amerikanischer Trainingsgefährte, Freund und Nachbar in Gent, Tyler Farrar vom Team Garmin, packte trotz hervorragender Aussichten auf Sprintsiege die Koffer.

«Wir haben großen Respekt für den Giro und dessen Geschichte, aber wir schaffen es einfach nicht, unter diesen Umständen zu fahren. Wir wissen, dass wir Profis sind, aber wir glauben auch, dass das die richtige Entscheidung ist», begründete Wegmann den Ausstieg, der Respekt verdient. Giro-Direktor Angelo Zomegnan äußerte Verständnis für diese Entscheidung, konnte sie aber nicht ganz nachvollziehen.

«Das Rennen hätte die Gelegenheit geboten, wieder zu neuer Zuversicht zu gelangen. Jetzt haben die Fahrer die Rückkehr zum normalen Leben nur einige Tage aufgeschoben. Dann wird es sicher schwerer für sie. Ich hoffe, dass das Team sie psychologisch unterstützt», sagte er der Nachrichtenagentur dpa.

Die vergangenen zwei Tage bezeichnete Zomegnan als die Stunde der Wiedergeburt des Radsports. «Dieses tragische Ereignis hat uns alle, Organisatoren und Fahrer, näher zusammengebracht. Wir haben alle eine neue Stärke gefunden», meinte der Ex-Journalist. Auf Kritik einzelner Fahrer an den zunehmenden Risiken durch die spektakuläre Streckenführung über Schotterpisten und schmale Serpentinen wollte er trotz der neuen Nähe nicht eingehen.

«Wir denken über Sicherheit nicht erst nach einem tödlichen Unfall nach. Die Fahrer sind der Kern dieser Rundfahrt. Wir schützen sie deshalb sehr gut. Der Giro hat ständig zwei Krankenwagen und insgesamt 21 Ärzte im Einsatz. Wir sind ständig mit dem Notdienst verbunden», erklärte er weiter.