Dortmund (dpa) - Als Hans-Joachim Watzke zur Dankesrede ansetzte, stürmte das Team von Borussia Dortmund mit Meisterschale und riesigen Bierhumpen die Pressekonferenz. Vor der Bierdusche war dann niemand mehr im Raum sicher.

Vor versammelter Journalistenschar wurden sowohl der Geschäftsführer als auch BVB-Trainer Jürgen Klopp und Pressesprecher Josef Schneck mit dem Gebräu übergossen. Der überraschende Überfall mit den Hauptdarstellern Nuri Sahin, Neven Subotic und Mohamed Zidan tat der guten Laune von Fußball-Lehrer Klopp jedoch keinen Abbruch: «Das ist ein großer Tag für Borussia Dortmund. Dieser 14. Mai wird in die Geschichte eingehen.»

Auch das Schiedsrichtergespann und zahlreiche Medienvertreter wurden Opfer der ausgelassenen Profis. Triefend nass suchten sie das Weite. Berauscht von der guten Stimmung fand BVB-Torhüter Roman Weidenfeller pathetische Worte: «Das ist schier unglaublich. Ich hätte nicht gedacht, dass ich das als Profi noch einmal erlebe.»

Neun Jahre nach dem letzten Titelgewinn ist die Meisterschale zurück in Dortmund. Begleitet vom frenetischen Applaus der Zuschauer im ausverkauften Signal Iduna stemmte Kapitän Weidenfeller nach dem 3:1 (0:0) über Eintracht Frankfurt am Samstag um 17.41 Uhr die elf Kilo schwere Trophäe in den Himmel. Überreicht wurde sie von Reinhard Rauball, der nicht nur Präsident des Ligaverbandes, sondern auch BVB-Präsident ist.

Schon vor der Anpfiff der Partie gab es Emotionen pur: Bei der Verabschiedung der Profis Nuri Sahin und Leonardo Dede flossen Tränen. Tief bewegt traten die beiden Profis zunächst gemeinsam und später einzeln vor die Zuschauer. Darüber hinaus stimmten eine außergewöhnliche Choreografie auf der Südtribüne mit einer überdimensionalen Meisterschale und einer riesigen Abbildung des Meisterteams die Fans auf die Partie ein.

Besonders groß war die Freude bei Jürgen Klopp: In seinem dritten Jahr beim BVB gewann der einstige Mainzer Fußball-Lehrer seine erste nationalen Trophäe. Am Samstag machte er sich nicht nur als Trainer, sondern auch als Stadionsprecher verdient. In eindringlichen Worten hatte vor dem Anpfiff an die Fans appelliert, nach dem Spiel nicht auf den Rasen zu stürmen. «Unser Weg zum Titel war überragend, lasst es uns genauso zu Ende bringen. Bitte bleibt nach dem Spiel auf euren Plätzen», so Klopp, «wir werden morgen noch genug feiern und für euch auf der Bühne singen.»

Diese Maßnahme machte sich jedoch nur bedingt bezahlt: Einige hundert Dortmunder Fans rissen einen Zaun vor der Südtribüne um, stürmten Richtung Rasen und konnten nur von einem großen Aufgebot an Sicherheitskräften aufgehalten werden. Als die Mannschaft mit der Schale zu Ehrenrunde antrat, mussten sich auch die Ordner dem Ansturm der Anhänger beugen. Dabei soll es Verletzte gegeben haben. Aus Sorge um die eigene Sicherheit traten die BVB-Profis schneller als geplant den Weg zurück in die Kabine an.