Düsseldorf (dpa) - Die Fans rüsten sich für die größte Fernsehshow der Welt: In wenigen Stunden werden geschätzte 120 Millionen Menschen in ganz Europa vor den Fernsehern den Eurovision Song Contest 2011 mitverfolgen.

In der Grand-Prix-Stadt Düsseldorf zogen bereits am Freitag bunt kostümierte und in Länderflaggen gehüllte ESC-Fans durch die Altstadtgassen. 36 000 Menschen pilgern dann heute Richtung Eurovision-Arena. Mehr Live-Zuschauer gab es nur 2001 in Kopenhagen.

Doch zuvor steigt schon eine Riesensause nur gut 60 Kilometer von Düsseldorf entfernt: In Dortmund feiern mehr als 150 000 Fußball-Fans die Deutsche Meisterschaft ihres BVB. Am Abend spielt die Musik dann aber wieder eindeutig in Düsseldorf - ebenso wie in Hamburg und Lenas Heimatstadt Hannover, wo Zehntausende bei Grand-Prix-Partys erwartet werden.

25 Länder kämpfen im ESC-Finale um die europäische Musikkrone. Lena wird mit der Startnummer 16 versuchen, den Erfolg vom Vorjahr zu wiederholen. Doch obwohl ihre Mystik-Pop-Nummer «Taken By A Stranger» interessant klingt und allgemein gut ankommt, steht sie bei der Nennung der Favoriten nicht in der ersten Reihe. Die wilden irischen Jedward-Zwillinge, die dänische Rockband A Friend in London, der finnische Gitarrenjunge Paradise Oskar und der französische Opernsänger Amaury Vassili gelten als Top-Favoriten. Immerhin trauen Lena viele Experten und Fans einen Platz unter den ersten Fünf zu.

Als Moderatorentrio durften sich Anke Engelke, Stefan Raab und Judith Rakers bereits bei den beiden Halbfinals am Dienstag und Donnerstag bewähren. Dabei empfahl sich die eloquente, perfekt Englisch und Französisch sprechende Engelke mit der richtigen Mischung aus Komik und Ernsthaftigkeit durchaus für höhere Aufgaben. Stefan Raab blieb eher blass, soll aber im Finale am Samstagabend mit einem ganz besonderen Auftritt glänzen: Da die Vorjahressiegerin Lena erneut als Kandidatin antritt, kann sie mit ihrem Gewinner-Hit «Satellite» nicht selbst die Show eröffnen - also übernimmt das kurzerhand Mentor Raab.

Die ARD dürfte schon jetzt mit Spannung den Sonntagmorgen erwarten, wenn die Einschaltquote des Contests bekanntwird. Im vergangenen Jahr gab es mit 14,69 Millionen Zuschauern den zweitbesten Wert überhaupt.

Bei den Kosten hat man sich im Rahmen gehalten: Rund 12 Millionen Euro müssten die Gebührenzahler aufbringen, rechnete die ARD-Vorsitzende Monika Piel am Freitag noch einmal vor. «Das norwegische Fernsehen hat 2010 etwa 16,25 Millionen Euro ausgegeben, und Moskau lag noch deutlich darüber», sagte sie. Die kolportierte Gesamtsumme von mehr als 25 Millionen Euro sei nicht identisch mit den Fernsehkosten, betonte sie. «Die ARD hat also die Fernsehkosten für dieses weltweit einmalige Event merklich gesenkt.»