München (dpa) - Mario Gomez küsste die immer schon erträumte Torjägerkanone, über die TV-Bildschirme in den Arena-Gängen flimmerten die Meisterfeier-Bilder aus Dortmund - da hatte Bayern-Präsident Uli Hoeneß schon einen Schlussstrich unter die ärgerliche Saison gezogen.

«Wir sollten uns alle Gedanken machen, wie wir es nächstes Jahr anders und besser machen können, wie wir eben wieder Bayern München sind, wie man es kennt: Von Anfang an um die Meisterschaft mitspielen», sagte Hoeneß.

Während 600 Kilometer entfernt die Schale überreicht wurde, freute sich Hoeneß schon «auf die Zusammenarbeit mit Jupp Heynckes». Dem neuen Coach steht gleich zu Beginn seiner Titel-Mission beim Fußball-Rekordmeister eine heikle Aufgabe bevor. In zwei K.o.-Spielen muss er die Champions League klar machen - Manuel Neuer wird dann im Tor helfen. «Diese Entscheidung wird in den nächsten Wochen klar sein. Es liegt jetzt an Schalke, wann diese Entscheidung bekanntgegeben wird», preschte der Bayern-Präsident am Samstag nach dem 2:1-Heimsieg gegen den VfB Stuttgart vor.

Aus Platz zwei wurde durch den Leverkusener Sieg in Freiburg nichts, und um überhaupt die Chance auf das erträumte Finale in der heimischen Allianz Arena am 19. Mai 2012 zu haben, müssen nun erst einmal die Playoff-Spiele am 16./17. und 23./24. August überstanden werden. «Das ist keine gemähte Wiese», warnte Ehrenpräsident Franz Beckenbauer und wünschte sich, dass die Bosse das Team vor allem in der Defensive verstärken.

«Die Quali kann sehr schwer werden. Es kann zum Beispiel Manchester City werden. Das ist das Problem», betonte auch Hoeneß. Aber schon die bedächtigen Worte des 66-jährigen Heynckes dürften noch mehr Mut gemacht haben. «Bayern hat jetzt eine sehr gute Mannschaft und wird in der neuen Saison eine noch bessere haben und so werden wir die Qualifikation bestehen», versprach der scheidende Leverkusener Trainer.

Heynckes selbst aber ist die «Hauptveränderung», wie Sportdirektor Christian Nerlinger betonte. «Ich glaube, dass wir mit der Personalie einen Riesenschritt nach vorne machen und bin deshalb sehr zuversichtlich, dass wir nächstes Jahr wieder in Richtung Meisterschaft und Champions League angreifen», sagte Nerlinger nach einer zehrenden Spielzeit. «Wir hatten einfach im Laufe der Saison zu viele interne Baustellen, das hat sehr viel Kraft und Energie gekostet.»

Das war zwischen den Zeilen noch einmal ein kleiner Hinweis auf die Konflikte mit dem am 29. Spieltag entlassenen Louis van Gaal. Interims-Nachfolger Andries Jonker führte das Team mit Bravour und 13 von 15 möglichen Punkten - wie Heynckes 2009 nach dem gescheiterten Klinsmann-Experiment - zumindest noch in die Empfangshalle der Königsklasse. «Er hat einen super Job gemacht», lobte Hoeneß den künftigen Amateurtrainer. Jonker selbst atmete kurz durch, aber betonte ganz bayern-like, nur das Mindestziel erreicht zu haben. «Das ist kein Grund, eine große Feier zu machen.»