Le Mans (dpa) - Clever, abgezockt, erfolgreich: Mit Platz drei beim Motorrad-WM-Lauf von Frankreich in Le Mans hat Stefan Bradl seiner jüngsten Erfolgsgeschichte in der Moto2 ein weiteres Kapitel hinzugefügt.

Drei Podestplätze in vier Rennen, darunter zwei Siege, machen den Zahlinger zum derzeit dominierenden Piloten in dieser Kategorie und zum unangefochtenen WM-Spitzenreiter.

Erstmals ohne Podestplätze blieben die Deutschen in der 125-Kubikzentimeter-Klasse. Jonas Folger aus Schwindegg kam beim Sieg des erst 16-jährigen Spaniers Maverick Viñales aus dem Team der Hotelerbin Paris Hilton auf Platz sechs. Sandro Cortese (Berkheim) folgte auf Rang sieben, verteidigte aber Platz zwei in der WM-Wertung.

Den größten Jubel in der «Königsklasse» MotoGP gab es bei Ducati. Der neunmalige Weltmeister Valentino Rossi schaffte mit Platz drei den ersten Podestplatz seit seinem Umstieg auf die italienische Traditionsmarke. Den Sieg holte sich überlegen der australische Honda-Pilot Casey Stoner.

Viertes Rennen, vierte Pole Position - Bradl schaffte etwas, was zuletzt vor 20 Jahren seinem Vater Helmut gelungen war. Und der Filius ließ sich mit einem starken Start auch auf keine Positionsgerangel ein. Selbst ein Sturz im Warmup machte den 20-Jährigen nicht nervös. Erst in der 15. Runde musste er die Führung abgeben. «Der Grip am Hinterrad hat nachgelassen. Da musste ich einige Male mit Harakiri zumachen, um die Position zu halten», erklärte der Zahlinger, der sich plötzlich auf Platz vier wiederfand.

Doch Bradl fuhr weiter mit Köpfchen, startete keine unüberlegten Manöver. Mit dieser Erfahrung nutze er dann seine Chance, auf Platz drei vorzufahren und diesen zu halten. «Heute war mehr Kämpferherz als alles andere gefragt. Einige Male wurde es ja sehr eng. Mehr als Platz drei war sicher nicht drin, alles andere wäre ein zu hohes Risiko gewesen», meinte Bradl zufrieden. Max Neukirchner aus Stollberg holte beim ersten Moto2-Sieg des 125-ccm-Weltmeisters Marc Marquez aus Spanien als 15. einen WM-Punkt.

Mit der äußerst schwierigen Strecke in Le Mans kamen Folger und Cortese in der Achtelliter-Kategorie diesmal nicht wie erhofft zurecht. Bei Temperaturen um 14 Grad gab es für die Piloten kaum Grip. «Das hat mir das ganze Wochenende zu schaffen gemacht. Ich habe keine richtige Einstellung gefunden, kein Gefühl für das Hinterrad bekommen», meinte der Aprilia-Pilot, der sich ärgerte, nicht mehr für sein Punktekonto getan zu haben. «Da wäre heute eine Chance gewesen», sagte der WM-Zweite.