Kopenhagen/Stockholm (dpa) - Ein König lässt sich öffentlich über sein Verhältnis zu Porno, Prostitution und Kriminellen verhören: Carl XVI. Gustaf hat mit dem ersten Interview zu angeblichen Rotlicht-Aktivitäten die traditionelle royale Zurückhaltung radikal über den Haufen geworfen.

Das Ende der Affäre war das aber noch lange nicht: Schon bald will ein Ex-Nachtclubbetreiber «verfängliche» Fotos mit dem Regenten vorlegen.

Auf die Frage des Reporter von der Nachrichtenagentur TT, ob es solche Sex-Bilder mit dem König geben könne, antwortete der Ehemann von Königin Silvia - während er ziemlich verzweifelt nach Luft schnappte und verlegen an Kamera und Frager vorbeizuschauen versuchte: «Nein, die kann es nicht geben.»

Dass das den 65-Jährigen aus der Schusslinie bringt und ihn von dem Vorwurf befreit, er habe sich als Staatsoberhaupt erpressbar gemacht, bezweifelten am Dienstag fast alle Beobachter in Stockholm. Postwendend auch kündigte der vorbestrafte Ex-Nachtclubbetreiber Mille Marcovic die baldige Veröffentlichung von Fotos mit dem König aus seinem früheren «Club Power» in Stockholm an.

Sollten die tatsächlich kommen und in der Öffentlichkeit als «echt» akzeptiert werden, müssten sich die Schweden vielleicht auf einen Thronwechsel zugunsten von Kronprinzessin Victoria (33) einrichten. Nach seinem langem, beharrlichen Schweigen zu den seit letzten Herbst kursierenden Angaben über «Herrenabende» mit betuchten Freunden und bezahlten jungen Frauen hat sich Carl Gustaf jetzt ausdrücklich festgelegt. Und mit dem rigorosen Abstreiten, so «Aftonbladet», «seine letzte Karte ausgespielt».

Nein, er sei nie in Sex- oder Strip-Clubs gewesen, antwortete er auf die erneut erbarmungslos direkte Reporterfrage. Der König holte wieder sehr tief Luft und suchte mit dem Blick wieder das Weite, ehe er hinzufügte: «Nein, nein, ich glaube eigentlich nicht, nein.»

Das sah für viele mitleiderregend aus, besänftigte aber die Kritiker nicht. Auch wenn es stimme: Viel zu spät sei das Dementi gekommen. Nach Veröffentlichung der Biografie «Der widerwillige Monarch» im letzten Herbst hatte Carl Gustaf mit einer fast beiläufigen Bemerkung das Gegenteil angedeutet: Silvia und er hätten sich entschieden, «ein neues Kapitel aufzuschlagen».