Zürich (dpa) - FIFA-Präsident Joseph Blatter gerät immer stärker unter Beschuss, und sein Verband kämpft um die Handlungsfähigkeit. Der Schweizer räumte Probleme ein.

«Unsere FIFA-Pyramide schwankt, es ist Gefahr im Anzug. Ich werde morgen Gelegenheit haben, darüber zu sprechen. Heute wollen wir eine festliche Atmosphäre haben», sagte der 75 Jahre alte Schweizer am Dienstag im Hallenstadion von Zürich, als er den skandalumtosten 61. Kongress des Fußball-Weltverbandes offiziell eröffnete.

«Wir hatten ähnliche Probleme zu überstehen», sagte IOC-Präsident Jacques Rogge in seinem Grußwort. «Ich bin sicher, dass die FIFA gestärkt aus dieser Situation hervorgehen wird.» Wenige Stunden vor Kongressbeginn hatten der englische und schottische Verband eine Verlegung der Präsidentenwahl gefordert. Auch vier Hauptsponsoren der FIFA verstärkten den Druck auf den krisenerprobten Blatter. Der Walliser hält jedoch trotz diverser Schmiergeldaffären in seiner Organisation unbeirrt am Wahltermin fest. Ob per Akklamation oder geheimer Abstimmung - Blatter will diese vierte Amtszeit auf dem FIFA-Thron unbedingt.

Einer seiner Vize-Präsidenten sprach sich gegen eine Verlegung aus. «Warum sollte man verschieben? Das ist ein Antrag derjenigen, die keine Funktionäre haben», sagte Julio Grondona, der Chef des argentinischen Fußball-Verbandes AFA, am Dienstag der Nachrichtenagentur dpa. Der Blatter-Intimus ist überzeugt, dass der Schweizer die Skandale überstehen und sein Amt behalten wird. «Man tritt nicht zurück, wenn man die Sache gut macht», meinte Grondona.

Tatsächlich wird die Wahl immer bizarrer. Kurz vor Kongressbeginn machte auf den Fluren auf einmal die nächste verrückte Nachricht die Runde. Jack Warner, vorläufig suspendiertes Mitglied der Exekutive, hat die stimmberechtigten Funktionäre der Karibischen Fußball-Union (CFU) in einem Schreiben aufgerufen haben, Blatter «wie vereinbart» zu unterstützen. Ausgerechnet Warner, der vor Tagen großspurig einen «Fußball-Tsunami» angekündigt und getönte hatte, Blatter müsse «gestoppt» werden. Das Intrigenspiel wird immer undurchschaubarer.

Allerdings musste Möchtegern-Reformer Blatter sogar von vier Sponsorenpartnern Prügel einstecken. «Emirates ist wie alle Fußball-Fans in der Welt enttäuscht über die Vorfälle, die um die Führung des Sports kreisen», erklärte die Fluggesellschaft in einer Pressemitteilung. Ein Sprecher des amerikanischen Getränkegiganten Coca-Cola nannte das Führungschaos «beunruhigend und schlecht für den Sport». Der Konzern wolle der FIFA als Sponsor aber treubleiben.

Auch der fränkische Sportartikel-Hersteller adidas verurteilte die jüngsten Entwicklungen in der FIFA. «Der negative Tenor der öffentlichen Debatte um die FIFA ist weder gut für das Image des Fußballs, noch der FIFA und seiner Partner», sagte Firmensprecher Jan Runau der dpa. Er bestätigte zugleich eine Fortsetzung der «langjährigen und erfolgreichen Partnerschaft».