Paris (dpa) - Es ist erst ihr zweites Viertelfinale bei einem Grand-Slam-Turnier, doch Andrea Petkovic fühlt sich im Kreis der Großen bereits pudelwohl.

«Ich spüre, dass ich dorthin gehöre, deshalb bin ich gar nicht so überrascht, dass ich es erneut geschafft habe», sagte Deutschlands derzeit erfolgreichste Tennisspielerin nach ihrem Sprung unter die besten Acht bei den French Open. Mit der Russin Maria Scharapowa wartet in Paris am Mittwoch jetzt die Reifeprüfung auf die 23-Jährige, der Test, ob Petkovic wirklich schon bereit ist für den ersten ganz großen Triumph ihrer Karriere.

«Ich muss gegen sie mein bestes Sandplatztennis zeigen», sagte die Darmstädterin nach ihrem 6:2, 2:6, 6:4 gegen die Russin Maria Kirilenko. «Aber ich weiß, dass ich das kann.» Bums, wieder so eine forsche Aussage der Hessin, die sich in Paris selbstbewusst, aber keineswegs arrogant präsentiert. «Wenn ich gut spiele, kann ich jede schlagen», hatte Petkovic bereits zuvor keck verkündet - und gegen Kirilenko eindrucksvoll Taten folgen lassen.

Es ist nicht mehr jene Andrea Petkovic, die in Melbourne leicht und unbeschwert durch das Turnier rauschte und auf dem Weg in ihre Grand-Slam-Viertelfinal-Premiere auch Scharapowa klar in zwei Sätzen eliminierte. Noch immer zählen ihre Pressekonferenzen zu den Höhepunkten, weil die Einser-Abiturientin einfach etwas zu sagen hat. Spontan, witzig, herausfordernd - und das auch noch in mehreren Sprachen. Die Presseräume sind nach jedem ihrer Siege besser gefüllt.

Doch Petkovic hat innerhalb eines Vierteljahres einen enormen Prozess durchgemacht, wirkt bei aller Flippigkeit nun ernster und professioneller. Als einschneidende Phase auf diesem Weg kann das Fed-Cup-Wochenende in Stuttgart ausgemacht werden. Der Trubel um die neue deutsche Nummer eins hatte ihren Höhepunkt erreicht und Petkovic mischte kräftig mit. Keinen Fan ließ sie ohne Autogramm oder Foto stehen, keine Interviewanfrage blieb unbeantwortet.

Die Folgen dieser sympathischen, aber unbedarften Art bekam Petkovic in den Wochen danach zu spüren. Saft- und kraftlos in Kopf und Körper präsentierte sie sich bei den folgenden Turnieren, schied bei den Masters-Events in Madrid und Rom frühzeitig aus. Es war Zeit, die Reißleine zu ziehen.

«Ich musste etwas ändern, weil es so nicht mehr weiterging. Seitdem mache ich nicht mehr alles, teile mir meine Kräfte besser ein», sagte die Politikstudentin. Auf den Trubel, den ihre Erfolge unweit des Eiffelturms nun schon wieder ausgelöst haben, sieht sie sich daher besser vorbereitet als noch zu Jahresbeginn, als alles spannend und neu war.