Frankfurt/Main (dpa) - Die Länderspiel-Kritiker wie Karl-Heinz Rummenigge können ebenso wie Bundestrainer Joachim Löw auf eine Entschärfung des umstrittenen Spielkalenders hoffen.

«Für den Herbst haben wir eine optimale Lösung, indem es im September, Oktober und November drei Doppelspieltage gibt. Für die Trainer - darüber habe ich mit Joachim Löw gesprochen - wäre das eine optimale Verbesserung», sagte der Generalsekretär des Deutschen Fußball-Bundes (DFB), Wolfgang Niersbach, in einem Interview der Nachrichtenagentur dpa.

Eine Arbeitsgruppe der UEFA arbeitet derzeit an Optimierungen des internationalen Spielkalenders, der aktuell bis 2014 fixiert ist. Auch im März soll es in einem reformierten Plan weiterhin einen Doppelspieltag für die Nationalmannschaften geben. Problem bleibe der Juni, «dieser Fortsatz am Ende einer Saison», meinte Niersbach.

Aktuell muss Löw für die EM-Qualifikation in Österreich und Aserbaidschan sein Team drei Wochen nach Bundesliga-Abschluss noch einmal auf Hochtouren bringen. «Wir waren selbst unsicher und ein bisschen besorgt», gestand Teammanager Oliver Bierhoff wegen des problematischen Termins lange nach einer strapaziösen Saison.

Nach der WM 2014 in Brasilien könnten die Neuerungen greifen und einige Klagen beseitigen, falls der Weltverband FIFA die Veränderungen festschreibt. Ziel ist vor allem, die von den Vereinen ungeliebten Einzel-Länderspiele im August und im Februar abzuschaffen. «Zur UEFA-Arbeitsgruppe gehört auch die ECA, die Vereinigung der europäischen Vereine», berichtete Niersbach. Vorsitzender der ECA ist Bayern-Vorstandschef Rummenigge, einer der lautstärksten Kritiker des gegenwärtigen Kalenders.

Die Zahl der Länderspiele, die in den Turnierjahren bei 17 bis 18 und in den Zwischenjahren bei zehn bis zwölf liegt, soll jedoch nicht sinken, betonte Niersbach: «Wir machen die Länderspiele nicht zum Selbstzweck oder um Festgeldkonten zu erhöhen. Wir brauchen sie, um alle gemeinnützigen Aufgaben finanzieren zu können - gerade auch die Talentförderung.» Bis zu acht Millionen Euro kann der DFB aus einem Top-Länderspiel erlösen. Allein die TV-Rechte sollen derzeit über vier Millionen Euro pro Spiel einbringen. Der Großteil seines Gesamtetats erwirtschaftet der weltgrößte Fußball-Verband aus Einnahmen, die mit der Nationalmannschaft im Zusammenhang stehen.

Den grundsätzlichen Interessens- und Terminkonflikt zwischen Vereinen und dem Nationalteam wird wohl auch eine Neuregelung des Kalenders nicht beseitigen können. «Die grundsätzliche Problematik ist doch, dass es heute sogar terminliche Schwierigkeiten nach sich zieht, Europameister zu werden. In diesem Fall muss man den Confederations Cup 2013 in Brasilien spielen», schilderte Niersbach. Dann hätten die Nationalspieler wieder drei Jahre hintereinander keinen ausreichenden Urlaub, sondern im Sommer Turnier: 2012 EM, 2013 Confed-Cup, 2014 WM - das gleiche Programm wie von 2004 bis 2006.