München (dpa) - Das lange Warten hat endlich ein Ende: Nach wochenlangem Hin und Her ist der Einstieg des jordanischen Unternehmers Hasan Ismaik beim finanziell darbenden Fußball-Zweitligisten TSV 1860 München perfekt. Damit scheint die Zukunft des Traditionsclubs gesichert.

Nach monatelangem Kampf gegen den finanziellen Kollaps schaffte der Traditionsclub den Befreiungsschlag geschafft und wendete die drohende Insolvenz ab. Der jordanische Investor Ismaik und der Zweitligist hätten sich endgültig auf einen Kooperationsvertrag geeinigt, erklärte «Löwen»-Präsident Dieter Schneider nach der Unterzeichnung des Kontrakts. Nach Schneiders Angaben will die Deutsche Fußball Liga (DFL) nun am kommenden Montag über die Lizenz für den deutschen Meister von 1966 entscheiden. «Wir sehen aber keine Riesenprobleme mehr», betonte Schneider.

Der erst 34 Jahre alte Ismaik übernimmt bei den «Löwen» für die Gesamtsumme von 18 Millionen Euro 49 Prozent der Kommanditgesellschafts-Anteile. Die DFL hatte vor eineinhalb Wochen grünes Licht für den ersten Einstieg eines arabischen Investors im deutschen Profi-Fußball gegeben - allerdings erst im dritten Anlauf. Das für die 50+1-Regel nun modifizierte Vertragswerk wurde von dem Multimillionär und seinen Anwälten abgesegnet, obwohl sich durch ein plötzlich aufgetretenes Finanzloch in der «Löwen»-Wirtschaftsplanung für die neue Saison zusätzlicher Finanzbedarf ergeben hatte.

Erst am Samstag hatte der seit Jahren mit finanziellen Problemen kämpfende Traditionsclub die Verhandlungen mit Gläubiger Nicolai Schwarzer abschließen können. Der Berliner Unternehmer willigte ein, auf einen Teil seines Darlehens von 1,75 Millionen Euro zu verzichten. «Ich verzichte schweren Herzens. Umso mehr hoffe ich, dass mir der sportliche Erfolg der Löwen möglichst bald zeigt, dass dieser Schritt nicht sinnlos war», sagte Schwarzer. Auch mit dem «Löwen»-Vermarkter IMG sollen die Verhandlungen nach Angaben der «Süddeutschen Zeitung» bis Ende Juni abgeschlossen werden.

Mit der erwarteten Lizenzerteilung scheint der Traditionsverein gerettet - doch Partystimmung kommt beim Zweitligisten nicht auf. «Gefeiert wird gar nicht, da haben wir gar keine Zeit dazu», sagte Schneider. Der Teufelskreis der vergangenen Jahre muss durchbrochen werden: Wegen der finanziell schwierigen Lage mussten wiederholt Schlüsselspieler verkauft werden. Prompt blieb der sportliche Erfolg aus - und die Fans. Am Ende fehlte noch mehr Geld.

Immerhin dürfte mit dem Einstieg von Ismaik das fast schon alltägliche Zittern der «Löwen» erst einmal ein Ende haben. «Wir wollen ein langfristig tragfähiges Konzept und uns nicht Monat für Monat von Skandal zu Skandal hangeln», hatte Geschäftsführer Robert Schäfer bereits vor Wochen angekündigt. Nun scheint das langfristige Konzept zu stehen, jetzt muss mittelfristig auch der sportliche Erfolg her - und das heißt Rückkehr in die Bundesliga.