Mannheim (dpa) - Im Zweifel für den Angeklagten: Wettermoderator Jörg Kachelmann ist vom Vorwurf der Vergewaltigung seiner Ex-Freundin freigesprochen worden. Für eine Verurteilung fehlten den Richtern am Landgericht Mannheim die Beweise.

Was wirklich zwischen Kachelmann und seiner ehemaligen Geliebten geschah, bleibt im Dunkeln. Damit ging nach fast neun Monaten und 44 Verhandlungstagen einer der spektakulärsten Prozesse in der Geschichte der Bundesrepublik zu Ende. Gleich nach der Verkündung begann allerdings der Kampf um die Deutungshoheit in dem Fall, in dem Aussage gegen Aussage steht.

«Der heutige Freispruch beruht nicht darauf, dass die Kammer von der Unschuld des Angeklagten überzeugt ist und im Gegenzug von einer Falschbeschuldigung der Nebenklägerin», sagte der Vorsitzende Richter Michael Seidling am Dienstag. Es bestünden aber «begründete Zweifel an der Schuld von Herrn Kachelmann». Deshalb sei er nach dem Grundsatz «in dubio pro reo» freizusprechen. Seidling: «Es bleibt die Erkenntnis, dass dem menschlichen Erkenntnisvermögen Grenzen gesetzt sind.»

Der Vorsitzende Richter äußerte bei der Urteilsverkündung auch scharfe Kritik an Verteidiger Johann Schwenn und den Medien. Schwenn keilte zurück. Die Staatsanwaltschaft erklärte, sie werde das Urteil prüfen und dann entscheiden, ob sie Revision einlegt. Sie hatte eine Haftstrafe von vier Jahren und drei Monaten gefordert.

Das Gericht folgte mit dem Freispruch dem Antrag der Verteidigung. Im Publikum gab es Applaus und Jubel. Kachelmann hörte der Urteilsverkündung ohne sichtbare Regung zu. Anschließend verließ er das Gericht, ohne sich zu äußern. Seine 38-jährige Ex-Geliebte, die Hauptzeugin der Anklage, wischte sich am Ende der knapp einstündigen Urteilsverkündung Tränen aus den Augen. Sie hatte Kachelmann beschuldigt, sie mit einem Messer bedroht und vergewaltigt zu haben. Er hatte die Vorwürfe stets bestritten. DNA-Spuren stützten die Anklage nicht.

Wie geht es mit Kachelmann nach dem Freispruch weiter? Der Moderator werde jetzt wieder voll bei dem von ihm gegründeten Wetterdienst Meteomedia einsteigen, teilte das Unternehmen mit. Dazu gehörten auch seine Kommentare zum Wettergeschehen in Medien wie Radio Basel, dem Sender Radio Primavera mit Sitz in Aschaffenburg und Twitter. Zur ARD, wo er jahrelang das Wetter moderiert hatte, wird er vorerst aber nicht zurückkehren.

Für die Zeit in Untersuchungshaft sowie Durchsuchungen und Beschlagnahmen kann Kachelmann Entschädigung verlangen. Er saß nach seiner Verhaftung 132 Tage lang in Untersuchungshaft. Nach dem «Gesetz über die Entschädigung für Strafverfolgungsmaßnahmen» hat er für jeden Tag Anspruch auf 25 Euro. Zudem könnte er aber auch einen möglichen Verdienstausfall wegen der Haftzeit geltend machen.