Espoo/Berlin (dpa) - Nokia gerät in immer stürmischeres Fahrwasser: Das Unternehmen korrigierte am Dienstag seine Geschäftsprognosen nach unten und nannte steigenden Wettbewerbs- und Preisdruck insbesondere in Europa und China als Grund.

Vorstandschef Stephen Elop sprach von einer schwierigen Übergangsphase im Anschluss an den Strategiewechsel hin zum Microsoft-System Windows Phone. Die Börse reagierte auf die Gewinnwarnung mit einer drastischen Abwertung der Nokia-Aktie um mehr als 15 Prozent im Verlauf des Handels.

Der Umsatz mit Geräten und Diensten werde im zweiten Quartal deutlich hinter der bisherigen Erwartung von 6,1 bis 6,6 Milliarden Euro zurückbleiben, teilte das Unternehmen mit. Dies wirke sich auch auf die Ertragslage aus, bei der die Prognose einer Marge von 6 bis 9 Prozent beim Betriebsgewinn nicht mehr zu erreichen sei. Jetzt wird nur noch von einem «Breakeven»-Niveau gesprochen, also von einer Situation, in der die Erträge lediglich die Kosten decken.

Elop sagte während einer Telefonkonferenz mit Analysten und Investoren, besonders in Europa drängten immer mehr Geräte mit dem Google-Betriebssystem Android in den Markt. Hier mache sich ein deutlicher Preisdruck bemerkbar. Android-Smartphones werden von mehreren Herstellern angeboten, darunter Samsung, HTC und Motorola. Daneben zehrt der Erfolg des iPhones von Apple an den Marktanteilen von Nokia.

Elop verwies auch auf Probleme in China und räumte ein, dass es dort Managementfehler gegeben habe. Der Wettbewerbsdruck sei sowohl bei den hochwertigen Smartphones spürbar als auch bei einfachen Handys, in der Branche als «Feature Phones» bezeichnet.

Acht Monate nach der Übernahme des Vorstandsvorsitzes sagte Elop, Nokia befinde sich in einer schwierigen Übergangsphase. Im Februar stellte der Manager, der von Microsoft zu Nokia gekommen war, einen grundlegenden Strategiewechsel vor: Der langjährige Marktführer will seine Smartphones, also Mobiltelefone mit umfassenden Computer- und Internet-Funktionen, künftig nicht mehr mit dem eigenen Symbian- System ausstatten, sondern mit dem Microsoft-System Windows Phone.

«Bei unserer Windows-Phone-Initiative sind wir ganz optimistisch», sagte Elop. Das erste Nokia-Gerät mit Windows Phone soll es bis Ende des Jahres geben. «Die Fortschritte aufseiten von Windows Phone sind sehr, sehr gut», betonte der Manager. Nokia entwickelt für bestimmte Geräte aber auch Symbian weiter und hofft auf den Erfolg neuer Geräte, die zwei Sim-Karten von Mobilfunkanbietern nutzen können und die in der vergangenen Woche eingeführt wurden.