Kiel (dpa) - Die schwerste Fahrt hat die «Gorch Fock» geschafft, nun wächst aus der Krise neue Hoffnung: Die Ausbildung auf dem Segelschulschiff der Marine dürfte wohl weitergehen. Zur Begrüßung in ihrem Heimathafen Kiel bejubelten 2000 Menschen die Crew.

Mit der Rückkehr der «Gorch Fock» zeichnet sich ein Erhalt des Segelschulschiffes der Marine ab. Beim Empfang im Heimathafen Kiel, bei dem 2000 Menschen den Dreimaster begrüßten, betonte Marineinspekteur Axel Schimpf am Freitag: «Dieses Schiff wird in Zukunft auch in der neuen Marine seinen Platz behalten.» Die Ausbildung soll aber sicherer gemacht werden. Der abgelöste Kapitän Norbert Schatz könnte außerdem als Kommandant zurückkommen.

Die Südamerika-Reise der «Gorch Fock» war vom Tod einer Kadettin, Vorwürfen der Schikane und Berichten über angebliche Ekel-Rituale überschattet worden. Verteidigungsminister Thomas de Maizière (CDU) signalisierte ebenfalls die Absicht, an der Ausbildung auf dem Dreimaster festzuhalten. «Wir sollten nicht leichtfertig eine so schöne Tradition über Bord werfen», sagte er dem ARD-Hauptstadtstudio. Bis zur vollständigen Aufklärung der Vorwürfe wird das Schiff aber nach Aussage eines Ministeriumssprechers im Hafen liegen.

Unter großem Jubel hatte die weiße Bark am um 10.00 Uhr in Kiel festgemacht. Wie stets wurde das Schiff mit militärischen Ehren unter den Klängen des Marine-Musikkorps empfangen. Angehörige und Freunde drängten sich an der Tirpitzmole. Manche schwenkten Fähnchen mit der Aufschrift «Die Gorch Fock muss bleiben», andere trugen T-Shirts oder Spruchbänder mit «Wir haben dich vermisst».

Von Bord gingen nach der fast 29 000 Seemeilen langen Schicksalsreise rund 180 Mitglieder der Stammbesatzung und der Segelcrew. Offiziersanwärter waren nicht mehr dabei, nachdem ihre Ausbildung wegen des Todes der Kadettin im November abgebrochen worden war. Die 25-Jährige war in Brasilien aus der Takelage gestürzt. Nach dem Vorfall kamen Vorwürfe über angebliche Drangsalierungen und eklige Rituale auf, die eine Kommission der Marine im Wesentlichen nicht bestätigte.

Den internen Bericht wertet der Marineinspekteur nach eigenen Angaben derzeit aus. «Wir wollen weder etwas vertuschen noch verheimlichen, sondern wir wollen Transparenz,» sagte Schimpf. Der Wehrbeauftragte des Bundestags, Hellmut Königshaus (FDP), an den sich Offiziersanwärter mit ihren Beschwerden gewandt hatten, warf hingegen dem «Spiegel» zufolge der Marine unvollständige Aufklärung vor.

De Maizières Ministerium distanzierte sich von dem Bericht und will Stellung nehmen, sobald die Ermittlungen der Kieler Staatsanwaltschaft und eine Havarieverhandlung abgeschlossen sind. Dies wird noch im Mai erwartet.