Istanbul (dpa) - «Crash-Kid» Sebastian Vettel blieb am Nachmittag nur die Zuschauerrolle. Frustriert, aber auch interessiert verfolgte er in der Red-Bull-Garage in Zivilklamotten, wie die Konkurrenten im zweiten Training zum Großen Preis der Türkei um die Bestzeit kämpften.

«Es gibt keinen Grund zur Panik», beschwichtigte der Formel-1-Weltmeister, nachdem er am Freitagvormittag nach nur vier Runden auf der nassen Piste seinen Rennwagen geschrottet hatte. Die zwei Stunden Mittagspause reichten den Mechanikern nicht, um den RB7 zu rechtzeitig reparieren.

«Entschuldigt, ich habe den Randstein erwischt», funkte Vettel noch aus dem Auto geknickt an sein Team. «Ich konnte nichts machen.» Etwa 30 Minuten vor Ende der ersten eineinhalbstündigen Session war der 23 Jahre alte Titelverteidiger aus Heppenheim in der berüchtigten Kurve acht des Istanbul Park Circuit aufs Gras gerutscht und in die Leitplanken gekracht. Während Vettel unverletzt ausstieg, musste das Wrack auf dem LKW abtransportiert werden.

«Es war extrem glatt. Ich hab einen kleinen Fehler gemacht und dann war das Thema gegessen», schilderte Vettel seinen Unfall dann rund vier Stunden später der Presse und wirkte dabei schon wieder relativ entspannt. «Das ist natürlich nicht optimal, aber es gehört zum Rennfahren dazu.» Parallelen zu seinem Vorjahres-Crash in der Türkei mit Mark Webber wies er entschieden zurück: «Das hat damit nichts zu tun.» Er und sein Teamkollege hätten einen «Schlussstrich» unter das als «Bullen-Drama» am Bosporus verspottete Duell gezogen.

Fernando Alonso und Jenson Button fuhren jeweils die Bestzeit und auch das Mercedes-Duo Nico Rosberg und Michael Schumacher beeindruckte. Rosberg belegte sowohl am Vormittag bei nur elf Grad und ständigem Regen wie auch am Nachmittag im trockenen bei etwas freundlicherem Wetter jeweils den zweiten Platz. Rekordweltmeister Schumacher (Kerpen) musste sich seinem gut 16 Jahre jüngeren Widersacher als Dritter bzw. Vierter erneut geschlagen geben.

«Es ist uns ein ordentlicher Start ins Wochenende gelungen», sagte Rosberg zufrieden. «Ich freue mich über unsere Fortschritte.» Schumacher freute, dass das Auto die Leistungssteigerung von China bestätigt habe: «Wir können deshalb zuversichtlich sein.» Der Routinier war dreimal gekreiselt, im Gegensatz zu seinem Kumpel Vettel aber auf Kurs geblieben «Kein schlechter erster Tag, aber wir haben noch Arbeit vor uns», meinte Mercedes-Motorsportchef Norbert Haug zufrieden.

Ferrari-Pilot Alonso hatte zum Auftakt des ersten Europa-Rennens bei der Premiere mit Regenreifen auf dem 5,338 Kilometer langen Kurs in 1:38,670 Minuten mit 1,402 Sekunden Vorsprung vor Rosberg klare Bestzeit erzielt. Button war im zweiten Durchgang in 1:26,456 Minuten nur 65 Tausendstel schneller als der Deutsche.