Madrid (dpa) - Nach den Misserfolgen im «Klassiker-Marathon» gegen den FC Barcelona hat Real Madrid ein 6:2-Schützenfest beim FC Sevilla gefeiert. Die «Königlichen» erhielten sich damit drei Spieltage vor Saisonschluss in der spanischen Fußball-Liga eine winzige Chance auf den Titel.

Tabellenführer Barça liegt nach dem 2:0-Sieg über den Stadtrivalen Espanyol aber weiter acht Zähler vor Real - und muss seine Meisterschaftsfeier wohl nur bis zur nächsten Runde am Dienstag und Mittwoch verschieben. Andres Iniesta (29.) und Gerard Piqué (48.) schossen einen ungefährdeten Sieg heraus, nachdem die Partie mit einer Schweigeminute für die verstorbene Golf-Legende Severiano Ballesteros begonnen hatte - einem Barça-Anhänger.

Bei Reals Gala steuerte Cristiano Ronaldo allein vier Treffer zum Torfestival bei und unterstrich seine Anwartschaft auf die Krone des Torschützenkönigs. Der Portugiese kommt nun auf 33 Treffer - zwei mehr als Barças argentinischer Torjäger Lionel Messi, der am Sonntag ohne weiteres Tor blieb. «Wir können nicht mehr Meister werden», räumte der teuerste Fußballer der Welt ein. «Aber je länger Barcelona auf den Titel warten muss, desto besser.»

Ronaldo und Messi kämpfen nicht allein um den inoffiziellen Titel des «Pichichi», wie der beste Torschütze in der Primera División genannt wird. Beide haben auch den Saisonrekord von 38 Treffern im Visier. Diese Bestmarke hatte der legendäre Telmo Zarra von Athletic Bilbao 1950/51 aufgestellt und der Mexikaner Hugo Sánchez (Real Madrid) 1989/90 egalisiert.

In Sevilla war bei den Madrilenen nach dem Champions-League-Aus von Niedergeschlagenheit nichts zu spüren. Mesut Özil hebelte mit seinen Pässen immer wieder die Abwehr der Andalusier aus, die zuvor noch nie im eigenen Stadion sechs Gegentreffer kassiert hatten. In der Serie von vier «Clásicos» hatte Real in den vergangenen Wochen zwar den Pokal gewonnen, aber die Chancen auf die Meisterschaft verspielt und den Einzug ins Finale der Champions League verpasst.

Die Madrilenen entschieden die Partie nach Treffern von Sergio Ramos (21.), Ronaldo (30.) und Kaká (41.) bereits in der ersten Halbzeit. Nach der Pause spielte die Elf für ihren Torjäger «CR7», dem noch drei weitere Treffer (64./70./75.) gelangen. «Mit Özils Taktstock und Ronaldos Durchschlagskraft ist dieses Real tödlich», stellte das Sportblatt «As» fest. Das Konkurrenzblatt «Marca» warf allerdings die Frage auf: «Wieso war in den Klassikern von der Offensivkraft nichts zu sehen?»