Karlsruhe (dpa) - Das selbstständig steuernde Auto rückt näher. Mehrere europäische Forscherteams testen in den kommenden Tagen erstmals Konvoi-Fahrten mit bis zu 80 Stundenkilometern.

«Damit kommen wir langsam in die Nähe realer Geschwindigkeiten», sagte der Projektleiter des Karlsruher Teams, Martin Lauer, in einem Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa. Er wird mit einem speziell ausgerüsteten VW Passat des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) zu dem Treffen in die Niederlande fahren.

Seiner Einschätzung nach können Autos bereits in wenigen Jahren so ausgerüstet werden, dass sie zumindest auf Autobahnen selbst die Steuerung übernehmen. Beim Konvoi-Fahren tauschen sich die Autos ständig per Computer über ihre Fahrgeschwindigkeit aus. Dadurch können sie im Abstand von wenigen Zentimetern hintereinander herfahren, da jede Veränderung in Sekundenbruchteilen weitergegeben wird. «Das liegt weit unter der menschlichen Reaktionszeit», erläuterte Lauer.

Die Vorteile liegen auf der Hand: Mit dem gleichmäßigen, dichteren Fahren können vor allem in der Urlaubszeit Staus vermieden werden. Zudem verspricht es größere Sicherheit, da etwa auch bei Nebel die Computer im Kontakt bleiben. «Nicht zuletzt ist es eine Frage des Komforts. Die Fahrer können sich bequem zurücklehnen und Zeitung lesen», sagte Lauer. Durch das Windschattenfahren werde zudem der Benzinverbrauch reduziert.

Zurzeit arbeiteten mehrere europäische Universitäten, zum Teil gemeinsam mit Autobauern, an solchen autonomen Systemen. «In Holland werden jetzt erstmals mehrere solcher Autos mit unterschiedlichen Softwaresystemen in einen Konvoi zusammengespannt», berichtete Lauer. «Auch das ist ein wichtiger Praxistest, weil später ja auch jedes Fabrikat eigene Programme eingebaut haben wird.» Lauer ist zuversichtlich, dass die Abstimmung gelingen wird.

Die Software für autonomes Fahren gehört für den Forscher in die Reihe der modernen Assistenzfunktionen wie etwa die Einparkhilfe oder Kurvensteuerung. «Solche Automatisierungen werden künftig verstärkt miteinander vernetzt werden.» Allerdings wird es längere Zeit dauern, bis ein Auto mit Routenplaner selbstständig seinen Weg finden kann. «Vor allem die Straßenerkennung in der Stadt mit all den äußeren Einflüssen stellt uns vor große Herausforderungen.»

Das größte Hindernis für die Einführung des Autopiloten sieht Lauer allerdings nicht in der Technik, sondern in der Psychologie. «Die Frage wird sein, wie viele Autofahrer bereit sind, das Steuer einem Computer zu überlassen und damit nicht mehr die Kontrolle zu haben.» Zudem müssten rechtliche Fragen geklärt werden, etwa wer die Verantwortung übernimmt, wenn es beim Konvoi-Fahren wegen technischen Versagens zu einem Unfall kommt.