Hamburg/Frankfurt (dpa) - Plötzlicher, nicht auszuhaltender Kopfschmerz bis hin zur sofortigen Bewusstlosigkeit und Koma: Eine Hirnblutung aufgrund eines Aneurysmas im Gehirn tritt meistens völlig überraschend auf.

«Die meisten Patienten merken von dieser Aussackung an einem Gefäß viele Jahre nichts, bis es dann zu einer dramatischen Blutung kommt, die oft lebensgefährlich ist», sagt Prof. Volker Seifert, Direktor der Klinik und Poliklinik für Neurochirurgie an der Goethe-Universität in Frankfurt am Main. Teils würden solche Aneurysmen durch das Verfahren der Kernspintomographie zufällig entdeckt.

Bei welchem Befund die an sich beschwerdefreien Patienten operiert werden sollten, diskutieren Experten seit Sonntag bis Mittwoch (11. Mai) auf einer Tagung in Hamburg. Die Deutsche Gesellschaft für Neurochirurgie hat zu ihrer 62. Jahrestagung in die Hansestadt eingeladen, knapp 1000 Teilnehmer werden erwartet.

Aneurysmen sind teils angeboren oder entstehen im Lauf des Lebens, sie sind von allen Gefäßmissbildungen im Gehirn am gefährlichsten. Die Gefäßwände sind dabei dünner als gewöhnlich, es kommt zu einer Ansammlung von Blut, diese Blase droht dann zu Platzen. Jedes Jahr erleiden geschätzte 7 bis 15 von 100 000 Menschen in Deutschland eine solche sogenannte Subarachnoidalblutung.

Im Gehirn betreffen Aneurysmen die Gefäße an der Schädelbasis, die sich in den vorderen und hinteren Kreislauf aufteilen. «Aneurysmen im vorderen Kreislauf sind mit bis zu 90 Prozent am häufigsten», sagt Seifert. Die hinteren Aneurysmen neigten jedoch häufiger zu Blutung und seien gefährlicher. Aufgrund von Blutungen dieser Aneurysmen könne unter anderem der Hirnstamm mit dem Atemzentrum oder auch das Kleinhirn geschädigt werden.

Zwei Behandlungswege stehen den Medizinern offen. «Bei den mikrochirurgischen Verfahren wird das Aneurysma mit einem Edelstahl-Titan-Clip verschlossen, dazu muss am offenen Gehirn operiert werden», sagt Tagungspräsident Prof. Manfred Westphal, Ärztlicher Leiter der Klinik und Poliklinik für Neurochirurgie am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE).

Die zweite Möglichkeit sei, einen Katheter von der Leiste her in Richtung Gehirn zu führen, und so die Aussackung mit verschiedenen Materialien von innen zu verschließen. Beide Techniken hätten das gleiche Potenzial für Komplikationen, dazu zähle das Risiko, dass das Aneurysma während des Eingriffs platze, oder ein Schlaganfall durch ein Blutgerinnsel auftrete.