Istanbul (dpa) - Erst die Bullen-Schande getilgt, dann mit einem kecken Grinsen die Mütter in aller Welt zum Mitfeiern eingeladen: Sebastian Vettel hat im Schongang die Konkurrenz beim Großen Preis der Türkei vorgeführt und den dritten Sieg im vierten Saisonrennen bejubelt.

Ein Jahr nach dem peinlichen teaminternen Unfall mit Mark Webber verwies der Formel-1-Weltmeister beim Boxen- und Reifenpoker am Bosporus seinen australischen Stallrivalen auf Platz zwei. «Heute hat alles wirklich gepasst von vorne bis hinten», sagte der Red Bull-Pilot am Sonntag nach seinem ersten Erfolg auf dem Istanbul Park Circuit und lud am Muttertag zum kollektiven Jubel ein: «Wenn ihr wollt, könnt ihr heute mit uns anstoßen.»

Den so ersehnten und erhofften Podestplatz verpasste Vettels Landsmann Nico Rosberg: Der Mercedes-Pilot kam nach Startplatz drei als Fünfter ins Ziel. «Ich war viel zu optimistisch diesmal», meinte der Wahl-Monegasse aus Wiesbaden: «Heute war die Wahrheit wieder da.

Platz drei holte sich der zweimalige Champion Fernando Alonso im Ferrari. Rosbergs Teamkollege Michael Schumacher war vom Podest einmal mehr weit entfernt. Nach einer frühen und folgenreichen Karambolage landete der Kerpener nur auf Platz zwölf und damit nicht mal in den Punkten. «Ich muss das wahrscheinlich auf meine Kappe nehmen», meinte Schumacher zu der frühen Berührung. «Damit war das Rennen schon gezeichnet.» Nick Heidfeld wurde im Lotus Renault Siebter. Adrian Sutil kam im Force India auf Platz 13. Timo Glock im Marussia Virgin konnte wegen eines Getriebeschadens gar nicht starten.

Dafür war Vettel einmal mehr nicht zu bremsen. «Es war für Mark und mich nach den ersten fünf Runden schon vorbei, um den Sieg kämpfen zu können», konstatierte Ferrari-Star Alonso. Vettel verteidigte seine vierte Pole in diesem Jahr bis ins Ziel, ohne seinen Red Bull richtig zu fordern. «Es war ein perfektes Rennen für Sebastian. Die Strategie hat perfekt gepasst», lobte Teamchef Christian Horner. «Man kann nur vor Ehrfurcht erstarren», meinte Ex-Champion und RTL-Experte Niki Lauda.

Zumal das Grand-Prix-Wochenende für Vettel alles andere als gut begonnen hatte. Am Freitag hatte der Hesse seinen Wagen mächtig demoliert - ein bisschen Kosmetik reichte für «Kinky Kylie» bei weitem nicht. «Marks Mechaniker mussten sogar mithelfen», schilderte Vettel. «Zusammen ist man einfach füreinander da», betonte er und dankte es allen im Team mit seinem 13. Karrieresieg: «Das ist der Lohn für all die, die am Freitag so lange arbeiten mussten.»

In der WM-Wertung baute Vettel seinen Vorsprung weiter aus, zumal der zweitplatzierte McLaren-Mann Lewis Hamilton gebremst von Fahrfehlern und Boxenpannen nicht über Rang vier hinauskam. Der Titelverteidiger hat vor dem nächsten Rennen in zwei Wochen in Barcelona 93 Punkte, Hamilton 59. Webber ist Dritter mit 55 Zählern.