Berlin (dpa) - Beim Wort «Gesichtserkennung» schrillen immer die Alarmglocken. Die Horrorvorstellung ist, dass jeder Fremde auf der Straße mit wenigen Handy-Klicks Name, Adresse und etliche weitere Daten über die eigene Person erfahren könnte.

Das weltgrößte Online-Netzwerk Facebook mit rund 600 Millionen Mitgliedern musste diese Woche erfahren, wie sensibel gerade die deutschen Internet-Nutzer bei allem reagieren, was irgendwie mit Gesichtserkennung zu tun hat.

Dabei setzte Facebook seiner neuen Gesichtserkennungsfunktion klare Grenzen: Es geht lediglich darum, dass beim Hochladen von Fotos eine Software Nutzern die Namen ihrer dort abgebildeten Freunde bei dem Online-Netzwerk zum Markieren vorschlägt.

Um wen es sich handelt, erkennt das Programm anhand früherer Markierungen, die von Nutzern per Hand eingetragen wurden. Facebook betont, dass nur die Namen von Freunden beim Online-Netzwerk vorgeschlagen werden, man die Funktion für sein Gesicht jederzeit abschalten sowie bereits vorhandene Namens-Tags löschen könne.

Die Vorstellung, dass eine Software jedes Bild automatisch nach Übereinstimmungen von Gesichtern und Namen durchforstet, war Verbrauchern und Datenschützern dennoch zuviel. Bei Facebook will man die Aufregung nicht so recht verstehen. «Wir bekommen dadurch doch keine zusätzlichen Daten», sagt die deutsche Sprecherin Tina Kulow. Und das stimmt: Die Verbindung zwischen Name und Gesicht haben bereits vorher die Nutzer selbst hergestellt als sie sich oder einen Facebook-Freund in einem Foto markiert haben.

Und das passiert ständig. 100 Millionen solcher Namens-Tags werden pro Tag eingetragen, sagt die Facebook-Sprecherin. Macht gut 1157 Mal pro Sekunde. Eine beeindruckende Vorstellung: Beim Online-Netzwerk liegt eine gewaltige Datenbank mit vielen Millionen Verknüpfungen von Namen und Gesichtern, erstellt von den Nutzern selbst. Allein in Deutschland hat Facebook rund 20 Millionen Mitglieder.

«Es geht nur darum, den Nutzern den Umgang mit ihren Bildern komfortabler zu machen», versichert die Facebook-Sprecherin. «Wir machen nichts weiter mit diesem Daten.» Dass das Unternehmen sich an das Versprechen und an seine Datenschutz-Bestimmungen hält, ist letztlich Sache des Vertrauens: Kontrollen gibt es nicht.