Wiesbaden (dpa) - Die Inflation in Deutschland verharrt auf hohem Niveau. Die jährliche Teuerungsrate sank im Mai zwar auf 2,3 Prozent, nach 2,4 Prozent im April, wie das Statistische Bundesamt am Freitag in Wiesbaden mitteilte.

Damit ist die Inflationsrate zwar seit acht Monaten erstmals wieder rückläufig. Jedoch liegt sie noch immer klar über der Zwei-Prozent-Marke. Die Europäische Zentralbank (EZB) sieht nur knapp unterhalb dieser Schwelle keine Gefahr für den Geldwert.

Die Zentralbank hatte am Donnerstag in Aussicht gestellt, sie werde den aktuell niedrigen Leitzins für die Versorgung der Geschäftsbanken mit frischem Geld aller Voraussicht nach im Juli weiter erhöhen. Er liegt seit April bei 1,25 Prozent. Die Bundesbank sagte in einer Analyse vom Freitag einen durchschnittlichen Verbraucherpreisanstieg um 2,5 Prozent für das laufende Jahr voraus.

Die Schuldenkrise im Euro-Raum bremst Europas Währungshüter auf ihrem Weg zu höheren Zinsen und bringt sie in eine Zwickmühle: Höhere Zinsen würden Schuldensünder wie Griechenland zusätzlich belasten, doch auf der anderen Seite spricht die anziehende Inflation dafür.

Im direkten Vergleich zum April 2011 veränderte sich das Niveau der Mai-Preise nicht (0,0 Prozent). Die Statistiker beobachteten im Einzelnen sinkende Preise gegenüber dem Vormonat beim wichtigen Posten Energie (minus 0,7 Prozent). So wurden etwa Kraftstoffe wie Benzin und Diesel und auch Heizöl binnen Monatsfrist etwas billiger. Andererseits verteuerten sich Zentralheizung und Fernwärme leicht.

Ein großer Preistreiber waren im Jahresvergleich Nahrungsmittel und alkoholfreie Getränke mit plus 3,3 Prozent. Dieser Posten macht gut ein Zehntel der durchschnittlichen Ausgaben der Bundesbürger aus. Treiber bei den Kosten für alkoholfreie Getränke waren vor allem Kaffee (plus 22 Prozent) und Fruchtsaftarten (teils 14 Prozent).

Beim Essen verteuerten sich allen voran Speisefette und Speiseöle (in Summe plus 18 Prozent), darunter beispielsweise Butter mit 28 Prozent Zuwachs in der Jahresfrist. Auch Molkereiprodukte, Fisch und Fleisch sowie Obst zogen an. Die Kosten für Gemüse blieben konstant.