Montreal (dpa) - Eine Erfolgsbilanz sieht anders aus. Nach 25 Rennen im Silberpfeil ist Michael Schumacher noch immer ohne Podiumsplatz. Vor dem siebten Saisonlauf in Kanada redet das Mercedes-Team schon verdächtig oft vom nächsten Jahr.

Auf der Formel-1-Baustelle Mercedes sucht Michael Schumacher noch immer vergeblich den Zauber von einst. «Wir sind alle keine Magier. Wir sind im Prozess, etwas Neues, Großes aufzubauen. Auf diesem Weg gibt es natürlich Schikanen», erklärte der Rekordweltmeister vor dem Großen Preis von Kanada. In Montreal nimmt der 42-Jährige Anlauf, die schlechteste Startbilanz seiner Formel-1-Karriere aufzupolieren. «Unser Auto hat ihm oft nicht geholfen», nannte Teamchef Ross Brawn im Interview der Nachrichtenagentur dpa Schumachers Kernproblem.

So manches Mal ließ der bockige Silberpfeil den siebenmaligen Champion seit seinem Comeback im Vorjahr im Stich. Längst hat Schumacher erkannt: «Die Erfolge der Vergangenheit sichern einem leider keine Erfolge in der Zukunft.» In den 25 Rennen für Mercedes schaffte er es nicht einmal aufs Podium - eine solche «schwarze Serie» hat der Kerpener noch nie erlebt.

Mit 14 Punkten nach sechs Saisonrennen hat Schumacher schon 129 Zähler Rückstand auf Kumpel Sebastian Vettel. Im vergangenen Jahr wies sein Konto zum gleichen Zeitpunkt immerhin 22 Punkte auf. Und auch im internen Duell mit Teamkollege Nico Rosberg liegt der Grand-Prix-Veteran erneut hinten. Im Auftakttraining von Montreal raste Rosberg überraschend sogar zur Bestzeit, Schumacher kam mit 0,958 Sekunden Rückstand immerhin auf Rang drei.

«Nico hat einen fantastischen Job gemacht. Es ist für Michael eine große Herausforderung, da mitzuhalten», meinte Teamchef Brawn. Der Brite hält einen Vergleich der beiden Piloten allerdings derzeit für ungerecht. «Ich würde gern sehen, wo beide Fahrer sind, wenn wir ein wirklich konkurrenzfähiges Auto haben. In der Zeit, wo wir unsere Probleme lösen müssen, ist es schwieriger zu beurteilen», sagte der 56-Jährige.

Bis zur Spitze aber ist der Weg wohl noch weit. «Es ist einfach frustrierend, dass wir im Moment nicht so gute Leistungen zeigen, wie wir es uns wünschen würden», bekannte Brawn. Abschreiben will er die Saison aber noch nicht. «Wir haben gerade sechs Rennen hinter uns. Es ist zu früh, um zu sagen, es ist schiefgelaufen», betonte der als «Superhirn» verehrte Brawn.

«Wir kennen unsere Probleme. Wir sind zu hart zu unseren Reifen», erklärte Rosberg. Die Lösungssuche aber fällt nicht leicht. «Wenn du dir irgendwann eine Baustelle eingehandelt hast, ist es manchmal schwierig, die schnell zu schließen», sagte Schumacher. Verdächtig oft reden beide Mercedes-Fahrer wohl auch deshalb in Montreal schon vom nächsten Jahr. So mancher Zuhörer fühlt sich dabei prompt ins Jahr 2010 versetzt, als beim schwäbischen Werksteam früh die Kraft auf die kommende Saison konzentriert wurde.