Mainz (dpa) - SWR-Intendant Peter Boudgoust bleibt für eine weitere Amtszeit an der Spitze des Senders. Die Mitglieder des Rundfunk- und Verwaltungsrates stimmten am Freitag in Mainz mit 66 von 72 abgegebenen Stimmen für den 56-Jährigen. Einen Gegenkandidaten gab es nicht.

Boudgoust kündigte an, sich in den kommenden fünf Amtsjahren für eine schlankere Verwaltung im Südwestrundfunk stark zu machen. Die Zwei-Länder-Anstalt ist in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz zu Hause. «Wir brauchen schlagkräftige Einheiten an einem Ort, die treuhänderisch Aufgaben für den ganzen SWR übernehmen», sagte er.

Die Grenzen zwischen Radio, Fernsehen und Internet lösten sich zunehmend auf. «Dann kommt aber auch die Frage auf, ob wir noch eine eigenständige Fernsehdirektion, eine Hörfunkdirektion und zwei Landessendedirektionen brauchen mit einer komplizierten Arbeitsteilung», sagte Boudgoust. Diese Strukturen verbrauchten viel Kraft im Getriebe, die der Sender im Antrieb dringender bräuchte. Der Intendant begrüßte, dass die neuen Regierungen in Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg in ihren Koalitionsverträgen festgeschrieben hätten, den SWR-Staatsvertrag weiterentwickeln zu wollen.

Boudgoust forderte einen öffentlich-rechtlichen Jugendkanal. «Wir können nicht eine ganze Alterskohorte dem Trash-TV und den Krawallshows der Privaten überlassen. Es hat nichts mit Talent zu tun, einen Straußwalzer zu furzen. Entschuldigung. Aber ich berichte über die Realität», sagte er. Es gebe beim SWR bereits marktreife Produkte für einen Jugendkanal. «Allein wird die ARD das finanziell nicht schaffen. Gemeinsam mit dem ZDF wäre ein Jugendkanal morgen möglich», sagte der Intendant.

Die ARD-Vorsitzende und WDR-Intendantin Monika Piel gratulierte Boudgoust. «Die Entscheidung der SWR-Gremien belegt die hohe Wertschätzung, die ihm entgegengebracht wird, und ist nicht nur für den SWR, sondern auch für die ARD insgesamt eine gute Nachricht.» Sie hatte den ARD-Vorsitz Anfang des Jahres von Boudgoust übernommen, der zuvor zwei Jahre lang diese Position innehatte.

Boudgoust habe dem ganzen Südwesten Deutschlands eine vernehmbare Stimme innerhalb der ARD gegeben, teilte der rheinland-pfälzische Ministerpräsident Kurt Beck (SPD) mit. Der Intendant sei ein verlässlicher Kämpfer für Qualitätsjournalismus. «Herr Boudgoust ist ein sachkundiger und ausgleichender Intendant, der nicht dazu neigt, sich selbst in den Vordergrund zu drängen oder zu polarisieren», erklärte der Vorsitzende des SWR-Rundfunkrates Harald Augter.