Korntal-Münchingen/Berlin (dpa) - Die Lösung des Tarifkonflikts im deutschen Einzelhandel ist ein gutes Stück näher gerückt. Mit dem bundesweit ersten Abschluss stellten Arbeitgeber und die Gewerkschaft Verdi in der Nacht zum Freitag in Baden-Württemberg eine wichtige Weiche.

Sowohl für Verdi als auch den Handelsverband Deutschland (HDE) hat die Einigung im Südwesten Signalwirkung für die gesamte Branche mit 2,9 Millionen Beschäftigten in Deutschland. Ob Baden-Württemberg tatsächlich zum Vorbild für die anderen Tarifgebiete wird, wird sich aber erst in den nächsten Tagen zeigen.

Im Südwesten war nach stundenlangen zähen Verhandlungen der Durchbruch am frühen Freitagmorgen gelungen. Das Ergebnis: Die 220 000 Beschäftigten bekommen rückwirkend ab 1. Juni drei Prozent mehr Geld. Für April und Mai diesen Jahres gibt es keine Erhöhung. Für April 2012 ist dann eine Einmalzahlung von 50 Euro vorgesehen. Im Mai 2012 gibt es wieder einen «Nullmonat», bevor von 1. Juni 2012 an die Entgelte um weitere zwei Prozent erhöht werden. Die Laufzeit beträgt 24 Monate - von 1. April 2011 bis 31. März 2013.

Tarifgespräche im Handel werden regional geführt. «Ich gehe davon aus, dass dieser Abschluss eine Signalwirkung auch für die Verhandlungen in den anderen Bundesländern hat und die Arbeitgeber sich dort jetzt entsprechend bewegen», teilte die stellvertretende Verdi-Vorsitzende Margret Mönig-Raane in Berlin mit. Sie sei «zufrieden, dass es gelungen ist, zu einem Ergebnis mit akzeptablen Entgeltsteigerungen zu kommen».

Der tarifpolitische Ausschuss des HDE werde sich am 14. Juni mit der Frage beschäftigen, ob Baden-Württemberg als Vorbild dienen könne, sagte der Leiter des Gremiums, Rainer Marschaus, der Nachrichtenagentur dpa. «Ich erwarte eine kontroverse Diskussion», sagte Marschaus. «Der Abschluss ist sicherlich was das Entgelt angeht für die übrigen Gebiete nicht unerheblich.» Allerdings gebe es darüber hinaus unterschiedliche Probleme in den verschiedenen Tarifgebieten. «Eine Eins-zu-eins-Übernahme wird nicht erfolgen.»

So vereinbarten Arbeitgeber und Verdi in Baden-Württemberg zum Beispiel auch Änderungen im Manteltarifvertrag. Es sei die diskriminierende altersabhängige Urlaubstaffel abgeschafft worden, sagte Verdi-Verhandlungsführer Bernhard Franke. In Zukunft haben alle Beschäftigten Anspruch auf sechs Wochen (36 Tage) Urlaub.

Franke wertete das Ergebnis als Erfolg. Es sei gelungen, für die nächsten beiden Jahren eine dauerhafte Lohnerhöhung durchzusetzen, die voraussichtlich die Teuerungsrate ausgleichen könne. «Dieser Abschluss ist ein Erfolg unserer massiven Streikbewegung der vergangenen drei Wochen.»