Trier (dpa) - Der sportliche Druck ist weg, die emotionale Anspannung noch verdrängt: Mit der beruhigenden Gewissheit der gemeisterten EM-Teilnahme setzt Heiner Brand am 12. Juni in Trier den Schlusspunkt unter seine außergewöhnliche Karriere als Handball-Bundestrainer.

Im bedeutungslosen Qualifikationsspiel gegen Lettland nimmt der 58-jährige Gummersbacher zum letzten Mal für 60 Minuten auf der harten Trainerbank Platz, ehe er zum 1. Juli auf den weichen Sessel als Manager im Verband wechselt. «Nach vierzehneinhalb Jahren ist das gewiss ein besonderes Spiel. Da wird mit Sicherheit auch Wehmut aufkommen», prognostizierte Brand.

In Trier endet eine Ära. Inwieweit es auch ein Neuanfang unter dem als Nachfolger erwarteten Martin Heuberger wird, bleibt abzuwarten. Selbst wenn entgegen aller Prognosen nicht der 47 Jahre alte Assistent von Brand neuer Bundestrainer werden sollte, ist eines gewiss: Er tritt in sehr große Fußstapfen.

Und muss sich auch schon Brands hohen Ansprüchen stellen: Die Teilnahme an den Olympischen Spiele 2012 in London. Dafür werden bei der EM zwei Plätze in Qualifikationsturnieren sowie der direkte Startplatz an den Europameister vergeben. «Der neue Bundestrainer sollte alles daransetzen, das zu schaffen», erklärte er.

Seit seinem Amtsantritt am 1. Januar 1997 hat Brand den Männer-Handball zu Erfolgen, ins Bewusstsein der Menschen und ans Geld von Sponsoren geführt. Weltmeister 2007 im eigenen Land, Europameister 2004, Olympia-, WM- und EM-Zweiter sowie EM-Dritter: Unter seiner Ägide reihten sich für den Deutschen Handballbund (DHB) Erfolge an Erfolge durch sein Zugpferd Nationalmannschaft.

Zuletzt jedoch verblasste der Glanz. Vorrunden-Aus bei Olympia in Peking, EM-Zehnter 2010 und zuletzt nur Elfter bei der WM in Schweden. Brand, der sich jahrelang bereits erfolglos mit der Forderung nach mehr Unterstützung aus der Bundesliga aufgerieben hatte, geriet in die Kritik. In der Summe entschied sich der Gummersbacher, seinen ursprünglich bis 2013 laufenden Vertrag nicht zu erfüllen, ließ sich aber noch überreden, die EM-Qualifikation durchzuziehen.

Die hat er gemeistert. Und kann so mit einem Erfolg abtreten. Nach dem entscheidenden 28:20-Sieg in Innsbruck gegen Österreich war bei Brand auch jeglicher Missmut wieder verflogen. Gelöst und entspannt gab er sich, keine Spur mehr von Bärbeißigkeit. Ob die Spieler in Trier noch einmal für ihn spielen sollen? «Das ist nicht nötig. Die sollen gewinnen. Dann is jut», antwortete er hintersinnig.