Halle/Westfalen (dpa) - Erst riss Philipp Petzschner die Hände triumphierend in die Höhe, dann bejubelte Philipp Kohlschreiber seinen Überraschungscoup: Bei den schwarz-rot-goldenen Festspielen in Halle können die Tennis-Fans von einem deutschen Finale träumen.

Der Bayreuther Petzschner hielt am Freitag den kanadischen Aufschlagriesen Milos Raonic mit 6:3, 6:7 (6:8), 6:3 in Schach, direkt im Anschluss folgte ihm sein Davis-Cup-Kollege Kohlschreiber durch das 7:6 (7:4), 6:3 über den australischen Titelverteidiger Lleyton Hewitt ins Halbfinale.

«Ich freue mich natürlich, dass mein Spielwitz bei einem deutschen Turnier zurückgekehrt ist», sagte Kohlschreiber, der zuletzt ein wenig außer Form war. In der Vorschlussrunde wartet auf den 27-Jährigen der an Nummer drei gesetzte Gael Monfils. Der starke Franzose verhinderte mit dem 6:4, 6:4 über Deutschlands Spitzenspieler Florian Mayer den Halbfinal-Einzug des dritten Team-Weltmeisters.

Rasen-Spezialist Petzschner bekommt es am Samstag mit dem Tschechen Tomas Berdych (Turniersieger von 2007) zu tun, der den Serben Viktor Troicki mit 7:6 (7:3), 6:1 bezwang. «Ich bin überfroh, dass ich im Halbfinale bin. Ich hoffe, dass es noch ein Stück weitergeht», sagte Petzschner. Als bislang letzter Deutscher hatte Tommy Haas 2009 in Halle den Siegerpokal in die Höhe gestemmt.

Gegen den favorisierten Hewitt, der im Gerry Weber Stadion zum ersten Mal ein Match verlor, spielte Kohlschreiber groß auf. Bis zum Tiebreak hielt der Augsburger sein Service, ehe er sich nervenstark den ersten Satz schnappte. Im zweiten Durchgang breakte der Finalist von 2008 den Vorjahressieger zum 5:3 und verwandelte mit einem Ass seinen ersten Matchball. Nun strebt der Weltranglisten-49., der zum vierten Mal im Halbfinale von Halle steht, seinen ersten Einzeltitel in diesem Jahr an: «Ich hoffe, dass ich noch zweimal gewinnen kann.»

Zuvor hatte Petzschner, der bereits im Vorjahr unter den letzten Vier gestanden hatte, gegen den als Geheimfavoriten gehandelten Raonic teilweise Rasentennis par excellence gezeigt. Seine ersten drei Aufschlagsspiele brachte der Wimbledonsieger im Doppel zu Null durch, nach gerade einmal 25 Minuten und einem frühen Break zum 2:0 entschied der 27-Jährige den ersten Satz für sich. «Ich spiele gerne auf dem Belag. Ich habe nicht umsonst Wimbledon gewonnen», betonte Petzschner, der «die ersten 30» der Weltrangliste im Visier hat.

Immer wieder gelang es der Nummer 71 der Tennis-Welt, die bis zu 230 Stundenkilometer schnellen Service-Kracher des Kanadiers zu returnieren. Zudem trumpfte der Bayreuther mit starkem Serve-and-Volley-Spiel auf. «Die Marschrichtung war: Ich musste der Offensivere sein und ihm keinen Rhythmus geben», erläuterte Petzschner. Dies gelang Mayer gegen Monfils nicht. Der Franke agierte gegen den Weltranglisten-Achten zu passiv und verpasste die Chance, den deutschen Traumtag perfekt zu machen. «Ich habe einfach meine Chancen nicht genutzt. Dann ist es gegen einen Top-Ten-Mann schwer zu gewinnen», gestand Mayer.