Dallas (dpa) - Der Meisterring für Dirk Nowitzki liegt bereit: Nach mehr als 1100 NBA-Spielen greift Deutschlands Basketball-Superstar erstmals nach dem ersehnten Titel. Durch den 112:103-Heimerfolg über die Miami Heat im 5. Finalspiel führen die Texaner 3:2 und brauchen nur noch einen Sieg.

So nah war Nowitzki der Krönung seiner Karriere noch nie. Nun hat er zwölf Jahre nach seinem Debüt in der NBA gleich zwei Chancen. «Gefeiert wird, wenn wir den vierten Sieg holen, ansonsten war alles umsonst», sagte Nowitzki, betonte aber auch: «Klar wollen wir das Momentum, das wir jetzt haben, nicht wieder hergeben.» Der Meisterpokal ist für den Würzburger und seine Mavericks zum Greifen nah, nachdem sie vor fünf Jahren nach einer 2:0-Führung 2:4 gegen Miami noch verloren. «Am Rande zum Ruhm», titelten die «Dallas Morning News». «Beat the heat» («Besiegt die Heat») skandierten viele der 20 433 frenetischen Fans beim Verlassen des American-Airlines-Centers.

Nowitzki bremste derweil in den Katakomben die Euphorie, denn das Meisterstück muss Dallas in der Nacht zum 13. Juni in Miami abliefern. «Wir werden dieses Spiel wie ein siebtes Spiel angehen. Wir wollen diesem großen Team keine Hoffnung geben», kündigte Nowitzki an. Sollte das Starensemble aus Florida gewinnen, käme es in der Nacht zum 15. Juni in Miami zum entscheidenden siebten Duell.

«Wir wollten natürlich nicht mit einem 2:3-Rückstand nach Miami, deshalb war es ein wichtiger Sieg, vor allem für unsere Fans im letzten Heimspiel der Saison. Sie haben uns das ganze Jahr über immer nach vorne gepusht», meinte Nowitzki, gab sich dabei beeindruckend unbeeindruckt und kündigte an, mit den Mavericks weiter anzugreifen.

Der 32-Jährige war mit 29 Punkten erneut bester Werfer auf dem Feld und gab die richtige Antwort auf das Gespött von LeBron James und Dwyane Wade. Miamis Superstars hatten sich nach dem Morgentraining beim Verlassen der Arena noch über Nowitzkis Grippe lustig gemacht. Er hatte beim 86:83-Sieg in Spiel vier mit 39 Grad Fieber gespielt. «Habt ihr mich husten gehört? Heißt das jetzt, dass ich krank bin?», fragte Wade in eine TV-Kamera, nachdem er in seine rechte Hand keuchte. Als er sich zu James umdrehte, hüstelte auch dieser zweimal los.

Während Nowitzki nach wie vor leicht erkältet ist, sich dies aber nicht anmerken ließ, überzeugte James trotz 17 Punkten, 10 Rebounds und 10 Assists erneut nicht. In der Schlussphase landeten seine Verzweiflungswürfe nur an der Ringkante und nicht im Korb. Ihm droht nun die zweite Finalpleite nach 2007.

James versprühte dennoch Optimismus: «Wir haben die ganze Saison über hart für diesen Heimvorteil gearbeitet, jetzt müssen wir ihn auch nutzen.» Wade fügte hinzu: «Uns ist allen klar, worum es geht. Wir werden alles tun, um zu gewinnen. Wir sind selbstbewusst.» Der Spielmacher hatte sich im Anfangsviertel an der Hüfte verletzt, konnte jedoch durchspielen und war mit 23 Punkten bester Akteur bei den Heat.