Berlin (dpa) - Die obersten EHEC-Fahnder sind erleichtert. Doch wissenschaftlich-nüchtern bleiben sie natürlich auch jetzt, da ihre wochenlange Ursachensuche endlich einen Verdacht eingegrenzt hat.

Er könne nun ganz klar sagen, «dass Blattsalate, Tomaten und Gurken wieder verzehrt werden sollen», verkündet Andreas Hensel, Präsident des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR), am Freitag in Berlin. «Weil das gesunde Lebensmittel sind.»

Ebenso klar warnen die Behörden aber weiter vor Sprossen, bei denen sich nun ein Kreis bei den mühsamen Recherchen nach handfesten Beweisen zu schließen scheint: Erstmals wurden auf Sprossen aus einem bereits gesperrten Hof in Niedersachsen Bakterien des aggressiven EHEC-Typs O104 nachgewiesen. Das Aufatmen reicht bis in die Bundesregierung, die wegen des Krisenmanagements unter Beschuss geraten ist. Völlige Entwarnung mag aber noch niemand geben.

«Wir sind ein Stück weit erleichtert», sagt Verbraucherministerin Ilse Aigner (CSU) schon vor dem Fund. Nachdem die Vorsichtshinweise für Gurken, Tomaten und Salat offiziell aufgehoben sind, «können die Menschen sich wieder über das Pfingstwochenende an diesen Produkten freuen». Und auch Gesundheitsminister Daniel Bahr (FDP), der sich an der Seite seiner Kabinettskollegin im Reichstag äußert, spricht nach Wochen der Verunsicherung von einem guten Signal für alle Bürger. Mit der Beschränkung auf Sprossen sei jetzt klarer, wie man sich vor einer Infektion mit dem gefährlichen Darmkeim schützen könne.

Dass der Sprossen-Hof im niedersächsischen Bienenbüttel sich als immer heißere Spur erwies, hatten die Ermittler in der Nacht zu Freitag mit einer fast kriminalistischen Methode herausgearbeitet: Der «rezeptbasierten Restaurant-Kohortenstudie», wie der Präsident des Robert Koch-Instituts (RKI), Reinhard Burger, berichtet. Für fünf Gruppen von insgesamt 112 Menschen, darunter 19 erkrankte, werteten die Forscher diverse Daten aus: Speisekarten, Bestelllisten und Fotos, auf denen Teller samt Garnierung zu sehen waren. Dabei fiel der Sprossen-Verdacht klar ins Auge.

Wenige Stunden später vervollständigte ein neues Analyse-Ergebnis das Puzzle weiter. Untersucht wurde eine geöffnete Sprossenpackung aus der Mülltonne eines Hauses im Rhein-Sieg-Kreis. Sie stammte aus dem verdächtigen Biobetrieb in Niedersachsen. In dem Haushalt waren nach Behördenangaben zwei Familienmitglieder nach dem Verzehr von Sprossen an EHEC erkrankt.

Für Entwarnung ist es freilich zu früh. «Der Ausbruch ist noch nicht vorbei», sagt Burger vor dieser Entdeckung. Zwar weise der Trend bei Neuerkrankungen stabil nach unten. Dennoch sei mit weiteren Fällen zu rechnen, auch mit Todesopfern.