Dresden (dpa) - Die Gagfah ändert ihre Strategie und geht im Streit mit der Stadt Dresden jetzt in die Offensive. Der Immobilienkonzern holt zum juristischen Gegenschlag aus - es geht um viel Geld.

Die Immobiliengesellschaft Gagfah geht im milliardenschweren Streit mit der Stadt Dresden zum Gegenangriff über und reicht nun selbst mehrere Klagen ein. Man halte das bisherige Vorgehen der Stadt für unbegründet und darüber hinaus auch für rechtsmissbräuchlich, teilte das Unternehmen mit. Die Gagfah sieht sich also durch das Vorgehen der Stadt geschädigt.

Mit sogenannten Widerklagen soll deswegen festgestellt werden, ob Ansprüche in Höhe von bis zu 800 Millionen Euro gegenüber der Stadt geltend gemacht werden können. Eine weitere Klage richtet sich gegen Dresdens Finanzbürgermeister Hartmut Vorjohann (CDU). Ihm wirft die Gagfah eine Verletzung der Sorgfaltspflicht in seiner Funktion als Aufsichtsrat des Dresdner Wohnungsunternehmens Woba vor, aus dem er im Mai entlassen worden war.

Der Streit dreht sich im Kern um eine sogenannte Sozialcharta. Sie wurde ausgehandelt, um die Mieter zu schützen, als vormals kommunale Dresdner Wohnungen 2006 an den Gagfah-Eigentümer Fortress verkauft wurden. Die Stadt sieht diese Sozialcharta verletzt und reichte deshalb Ende März Klage ein. Die geforderte Vertragsstrafe liegt nach Gagfah- und Gerichtsangaben bei 1,08 Milliarden Euro. Beklagt wird allerdings nicht die Gagfah direkt, sondern die zwei Dresdner Wohnungsunternehmen, die damals unter einem gemeinsamen Dach verkauft wurden. Diese Gesellschaften, die noch den Namen Woba tragen, treten nun auch als Kläger auf.

Gagfah-Chef William J. Brennan, der die Stadt zuvor schon scharf angegriffen hatte, legte am Dienstag noch einmal nach. «Dieser ungeheuerliche Vorgang ist beispiellos und wir schulden niemandem etwas», sagte er laut Mitteilung. Die Klage Dresdens diene nicht dem Mieterschutz, sondern habe handfeste wirtschaftliche Aspekte, kritisierte er. Vorjohann habe schon Anfang März gefordert, die Stadt an Kursgewinnen zu beteiligen, wenn sie im Gegenzug auf die Klage verzichte und der Kurs dadurch wieder nach oben klettere. Als Folge des Streits habe die Gagfah seit März an der Börse rund eine halbe Milliarde Euro an Wert verloren.

Die Stadtverwaltung gab sich betont gelassen und wies Brennans Vorwürfe zurück. Es gehe nicht um eigene wirtschaftliche Interessen, sondern um die Einhaltung von Verträgen und den Schutz der Mieter, hieß es in einer Mitteilung.

Zu den Details des Verfahrens hatte die Gagfah anfangs eisern geschwiegen und nur wiederholt alle Anschuldigungen zurückgewiesen. Nun geht das Unternehmen in die Offensive und informiert auf einer eigens eingerichteten Internet-Seite ausführlich über den Fall. Die Stadt kritisierte, die Gagfah trete eine Kampagne los.