Köln (dpa) - Der vorgezogene Ausstieg aus der Atomenergie kostet die Industrie nach Berechnungen des Instituts der deutschen Wirtschaft jedes Jahr fast zwei Milliarden Euro durch höhere Stromkosten.

Nach den Beschlüssen der Bundesregierung sollen 2022 die letzten Reaktoren vom Netz gehen, acht Kraftwerke sind schon im März endgültig abgeschaltet worden. Der schnellere Ausstieg habe die Strompreise um knapp 1 Cent je Kilowattstunde in die Höhe getrieben, teilte das arbeitgebernahe Institut der deutschen Wirtschaft (IW) am Dienstag in Köln mit. «Wenn es bei diesen Preisanstiegen bleibt, sind die Folgen für einen typischen privaten Haushalt noch moderat: Die Stromrechnung dürfte um etwa 35 Euro im Jahr steigen, was für die meisten verkraftbar sein dürfte.» In der Industrie läppere sich das aber ganz schön zusammen.

«Ein Cent klingt nicht nach viel. Aber viele Millionen kleine Cents können die Wirtschaftlichkeit ganzer Unternehmen gefährden», meint IW-Direktor Michael Hüther. Gemessen am durchschnittlichen Stromverbrauch der vergangenen Jahre bedeute der Preisanstieg Mehrkosten für die Industrie in Höhe von 1,9 Milliarden Euro im Jahr.

Besonders betroffen sind Branchen, die viel Energie verschlingen: Die Papierindustrie sieht sich den Angaben zufolge mit Mehrkosten in der Größenordnung von 150 Millionen Euro jährlich konfrontiert, bei der Chemieindustrie seien es 340 Millionen Euro, die Metallbranche müsse mit 460 Millionen Euro rechnen. Die Stromrechnung der Autoindustrie steige um 160 Millionen Euro pro Jahr.

Hüther fordert Entlastung vom Staat: «Die stromintensiven Branchen haben schon heute wegen der hohen Stromkosten Nachteile gegenüber den internationalen Wettbewerbern. Die Politik muss ihr Versprechen einlösen und für Entlastung und faire Wettbewerbsbedingungen sorgen», verlangte er.

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