Frankfurt/Main (dpa) - Das zweite Rettungspaket für das hoch verschuldete Griechenland befindet sich in einer Sackgasse. Die Positionen der agierenden Institutionen scheinen unvereinbar, die Debatte wird zusehends komplizierter.

Nachfolgend die Positionen der Bundesregierung, der Ratingagenturen und der Europäischen Zentralbank (EZB).

BUNDESREGIERUNG:

Die Bundesregierung befürwortet zwar weitere Staatshilfen für Griechenland. Allerdings will sie zusätzliche Hilfen nur dann gewähren, wenn sich private Gläubiger wie Banken und Versicherungen an einer Rettung Athens beteiligen. Konkret schlägt Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) eine Laufzeitverlängerung griechischer Staatsanleihen um sieben Jahre vor. Private Investoren müssten also nicht unmittelbar Kapital zuschießen, allerdings würden sie deutlich länger auf die Rückzahlung ihres eingesetzten Kapitals warten. Ob private Gläubiger freiwillig oder verpflichtend helfen sollen, geht aus den Forderungen der Regierung nicht klar hervor.

RATINGAGENTUREN:

Ratingagenturen wie Standard & Poor's (S&P), Moody's und Fitch drohen, eine Beteiligung privater Investoren mit einem Zahlungsausfall gleichzusetzen. Dies wiederum hätte schwerwiegende Konsequenzen für den Bankensektor, insbesondere in Griechenland. Ab welchem Zeitpunkt die Agenturen griechische Anleihen mit «D» (für «Default», Zahlungsausfall) kennzeichnen würden, gilt indes als unsicher.

Für die größte Agentur S&P ist das Hauptkriterium die «volle und zeitnahe» Rückzahlung der Staatsanleihen. Mit anderen Worten: Sobald die Politik zusätzliches Staatsgeld für Griechenland an eine Beteiligung privater Gläubiger knüpft, wäre das für S&P ein Grund, von einem Zahlungsausfall zu sprechen - und zwar unabhängig davon, ob die Beteiligung freiwillig oder verpflichtend erfolgt.