Frankfurt/Main (dpa) - Fallen lassen oder um jeden Preis retten: Die Schuldenkrise Griechenlands bedroht den Euro-Raum und hält Politik, Notenbank und Finanzwirtschaft in Atem. Längst ist klar, dass das erste, 110 Milliarden Euro schwere Hilfspaket nicht ausreicht, Athens Haushalt in Ordnung zu bringen.

Die heftig diskutierte Streitfrage ist: Kann die Privatwirtschaft an den Kosten einer Rettung beteiligt werden? Oder muss am Ende vor allem der Steuerzahler für Verfehlungen geradestehen? dpa fasst die Debatte in Fragen und Antworten zusammen:

Deutschland hat weitere Staatshilfen für Griechenland daran geknüpft, dass sich private Gläubiger wie Banken und Fonds beteiligen. Welches Ziel verfolgt die Bundesregierung?

Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) will die Lasten zwischen Staat und Privatwirtschaft fairer verteilen. Private Anleger sollen nach dem Vorschlag ihre alten griechischen Staatsanleihen gegen neue mit längerer Laufzeit umtauschen. Damit müssten die Investoren länger auf die Rückzahlung ihres Kapitals warten. Der Vorstoß dürfte nicht zuletzt mit Gedanken an die Gunst der Wähler entwickelt worden sein: Es ist schwer vermittelbar, dass Banken von hohen Anleihezinsen profitieren, im Krisenfall aber allein der Steuerzahler für den Schaden aufkommen soll.

Ist es realistisch, dass der Vorschlag einer «sanften Umschuldung» umgesetzt wird?

In der Politik häufen sich die Stimmen, die eine solche «sanfte Umschuldung» mit freiwilliger Beteiligung der Banken unterstützen. Auch Eurogruppen-Chef Jean-Claude Juncker teilt diese Auffassung. Er will aber unbedingt die Europäische Zentralbank (EZB) mit ins Boot holen. Bislang lehnt die EZB einen solchen Schritt ab. Sie erwartet, dass Ratingagenturen eine Laufzeitverlängerung - gleich ob freiwillig oder nicht - als Zahlungsausfall werten würden: Aus ihrer Sicht wäre Griechenland damit pleite. Daher dürfe die Politik nicht erwarten, dass die EZB dem Vorschlag zustimmt, schrieb Bundesbank-Chef Jens Weidmann in der «Süddeutschen Zeitung»: Die Notenbank werde bei der Kreditvergabe an Geschäftsbanken keine Staatspapiere als Sicherheit akzeptieren, die als insolvent eingestuft wurden.

Welche Auswirkungen könnte dies haben?