Berlin/Bienenbüttel/Brüssel (dpa) - Zwar sind Sprossen als Quelle identifiziert, die Zahl der Neuerkrankungen sinkt und der Gemüsemarkt entspannt sich wieder. Brüssel beschließt Millionenhilfen für Bauern. Doch die EHEC-Krise ist längst nicht ausgestanden.

Zum ersten Mal ist in Deutschland ein Kind an dem gefährlichen Darmkeim EHEC gestorben. Ein zweijähriger Junge aus dem niedersächsischen Celle starb am Dienstag an den Folgen des hämolytisch-urämischen Syndroms (HUS), sagte ein Sprecher des Landkreises der Nachrichtenagentur dpa. Bislang war das jüngste vom Robert Koch-Institut (RKI) registrierte Opfer in Deutschland 20 Jahre alt. Die von der Krise betroffenen Bauern in Europa erhalten 210 Millionen Euro für ihre Umsatzeinbußen.

Seit dem Ausbruch der EHEC-Epidemie vor rund vier Wochen sind bundesweit mindestens 36 Menschen an den Folgen des Darmkeims gestorben. Die Zahl der Neuerkrankungen ging in Deutschland weiter zurück.

Die Entschädigungen für die Landwirte verkündete die EU-Kommission am Dienstagabend in Brüssel. In den kommenden Tagen soll die Regulierung in Kraft treten.

Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner (CSU) will die von der Europäischen Union beschlossenen Hilfen für Gemüsebauern schnell umsetzen. Die Gelder sollen zügig und unbürokratisch die deutschen Gemüseproduzenten, die als Folge der EHEC-Epidemie hohe Umsatzverluste haben, erreichen. Das sagte Aigner am Dienstag bei einem Besuch eines Gemüsebetriebs in Reinbek bei Hamburg.

Die Gefahr durch den Darmkeim ist weiter nicht gebannt. Über die Pfingstfeiertage meldete Nordrhein-Westfalen drei neue EHEC-Fälle, Mecklenburg-Vorpommern vier, Thüringen und Sachsen jeweils einen. In Niedersachsen wurden fünf neue EHEC- und zwei neue HUS-Fälle registriert.

«Die heutigen Zahlen verstetigen den Eindruck vom Wochenende, dass der Scheitelpunkt der Neuinfektionen überschritten ist», sagte ein Sprecher des Gesundheitsministeriums in Hannover am Dienstag. «Wir haben Grund zum Optimismus. Entwarnung bedeutet das aber noch nicht.» In den vergangenen Wochen war die Zahl der Neuerkrankungen von einem Tag auf den anderen häufig zweistellig angewachsen. Seit dem Ausbruch der EHEC-Epidemie ist der Darmkeim bundesweit bei mehr als 4000 Menschen nachgewiesen oder vermutet worden.