Boston (dpa) - Während Dirk Nowitzki den NBA-Titel feiert, rüstet ein deutsches Eishockey-Duo zum entscheidenden siebten Finale um den Stanley Cup.

Christian Ehrhoff und die Vancouver Canucks vergaben nach einer Demütigung in Rekordzeit mit dem 2:5 bei den Boston Bruins um Verteidiger Dennis Seidenberg die erste Chance auf die NHL-Trophäe. Nun entscheidet sich in der Nacht zum Donnerstag, wer als erst zweiter Deutscher nach Ex-Bundestrainer Uwe Krupp die Meisterschaft in Nordamerika gewinnt.

Ehrhoff suchte in den Katakomben des TD Bank-Gardens von Boston nach Worten und Erklärungen für die dritte Auswärtspleite im Finale. «Wir hatten wieder fünf schlechte Minuten im Anfangsdrittel und haben uns da ruckzuck vier Gegentore eingefangen», meinte der 29-jährige Verteidiger. Statt die Trophäe in die Höhe zu recken, konnte sich Ehrhoff nur mit einer Statistik trösten. Zum 16. Mal wird die Meisterschaft im letzten Saisonspiel entscheiden. Die Bilanz lautet 12:3 für die Heimteams, und bisher gewann auch Vancouver seine drei Heimspiele, allerdings nur knapp mit 3:2 und zweimal 1:0.

Seidenberg hatte dagegen Grund zur Freude, wendeten die Hausherren in der ausverkauften Arena doch die vierte Niederlage noch einmal ab, die das Ende der Finalserie «best of seven» bedeutet hätte. «Wir haben sehr gut angefangen, sehr aggressiv gespielt, genau so, wie wir es uns vorgenommen hatten», sagte Seidenberg. Bereits in den Partien drei und vier hatten die Bostoner das Team aus Kanada regelrecht vorgeführt und mit 8:1 sowie 4:0 vom Eis gefegt.

Diesmal legten die Bruins sogar noch einen drauf. Nie zuvor gab es in einem NHL-Finale in so kurzer Zeit so viele Treffer wie in der sechsten Begegnung der beiden Teams. Die 254 denkwürdigen NHL-Sekunden begannen, als Brad Marchand in der sechsten Minute auf Zuspiel von Seidenberg traf. Milan Lucic, Andrew Ference und Michael Ryder erhöhten dann bis zur zehnten Minute auf 4:0. Die Arena verwandelte sich in ein Tollhaus, Gäste-Keeper Roberto Luongo war schon vorher bedient: Nach drei Gegentoren bei acht Schüssen hatte der Olympiasieger vor dem vierten Bruins-Tor sein Gehäuse verlassen.

Boston kontrollierte anschließend die Partie, Vancouver erholte sich langsam von dem Schock und erspielte sich dann gute Chancen. Allerdings dauerte es bis zur 41. Minute, ehe Henrik Sedin Keeper Tim Thomas erstmals im Überzahlspiel überwinden konnte. David Krejci stellte wenig später ebenfalls mit einem Powerplay-Tor den alten Abstand wieder her (47.). Der Treffer zum 5:2-Endstand vom Maxim Lapierre (58.) hatte nur noch statistischen Wert.

Somit flogen die Canucks zum dritten Mal mit einer heftigen Niederlage im Gepäck nach Hause. «Man geht durch viele Höhen und Tiefen, aber wir haben jetzt noch ein Spiel, um den Cup zu holen, und wir spielen zu Hause», betont Ehrhoff. Bereits in der ersten Playoff-Runde hatte sich Vancouver daheim gegen Titelverteidiger Chicago Blackhawks im siebten Spiel durchgesetzt.