London (dpa) - Ziellos torkelt sie auf die Bühne, setzt sich plötzlich hin, zieht ihren Schuh aus, steht wieder auf. Was macht Amy Winehouse da eigentlich? Singen jedenfalls nicht.

Das Mikrofon findet sie erst nach einigen Minuten. Statt Melodien lallt sie Wörter hinein - die Fans im serbischen Belgrad verlieren die Geduld und buhen sie aus. Was eigentlich eine Art Neustart für die von Drogen- und Alkoholproblemen geplagte Sängerin («Rehab», «Valerie») sein sollte, endete am Samstagabend im Desaster. Lange hatte man nicht viel von ihr gehört, doch nun kommen neue Sorgen um den Gesundheitszustand der 27-Jährigen auf.

Im Internet stiegen die Klickzahlen bei den Videos vom peinlichen Auftritt stündlich rasant an. Zu sehen ist darin auch, wie Winehouse sich unaufhörlich selber in die Arme zwickt und sich kratzt. Ihr normalerweise tadellos oben auf dem Kopf sitzendes Riesen-Haarteil in Form eines Bienenkorbes, das ihr Markenzeichen geworden ist, hängt schlapp herunter.

«Dieses Video ist so traurig», schrieb ein Nutzer auf der Plattform «YouTube». «Diese Frau braucht Hilfe, aber niemand gibt sie ihr - denn wenn sie sich so verhält, bekommt sie mehr Aufmerksamkeit, und das bedeutet mehr Geld. Wenn sie einfach auf die Bühne gegangen wäre und gut gesungen hätte, wäre das niemals zur weltweiten Nachricht geworden.»

Winehouse musste nach dem Konzert wohl einsehen, dass sie so nicht weitermachen kann, und sagte in Absprache mit ihrem Management Auftritte in Athen und Istanbul ab. «Obwohl sie ihre Verpflichtungen unbedingt erfüllen wollte, hat sie dem Management zugestimmt, dass sie derzeit auf der Bühne nicht ihr Bestes geben kann», sagte ihr Sprecher. «Sie möchte sich bei den Fans entschuldigen, die sie bei ihren Shows sehen wollten, aber denkt, dass es so besser ist.» Auch weitere für den Sommer geplante Termine in Europa ständen derzeit auf dem Prüfstand, teilte ihr Sprecher mit.

Eigentlich hatte alles so ausgesehen, als ob sich die seit Jahren mit Suchtproblemen kämpfende Britin diesmal ganz genau überlegt hätte, nach längerer Pause wieder auf die Bühne zu gehen. Vergangenen Oktober hatte sie gesagt, sie nehme seit drei Jahren keine Drogen mehr. Erst vor wenigen Wochen war sie für einige Tage in eine Londoner Klinik gegangen, die auf Alkoholsucht und psychische Krankheiten spezialisiert ist. Dort soll sie auch weiter in ambulanter Behandlung sein.

Immer wieder hatte Winehouse betont, sie arbeite fleißig an ihrem heiß ersehnten neuen Album. Für den Sommer ist sie unter anderem für Festivals in Spanien, Österreich und Polen gebucht. Und nun dieser neue Rückschlag.