Bethesda (dpa) - Die Golf-Welt verneigt sich vor Rory McIlroy. Nach dem Rekordsieg bei der 111. US Open in Bethesda wurde der 22-Jährige mit Superlativen überhäuft.

Mit dem ersten Major-Titel seiner vierjährigen Profi-Karriere hat der «Celtic Tiger» aus dem nordirischen Dorf Holywood Sportgeschichte geschrieben. Er ist erstmals auf Rang vier direkt hinter Martin Kaymer in der Weltrangliste aufgestiegen. Und mit 22 Jahren und 46 Tagen ist er der jüngste Europäer, der jemals ein Major-Turnier gewann.

«Ein neuer Woods wie vom anderen Stern», titelten die Medien nach dem Triumphzug der «europäischen Antwort» auf den seit Wochen verletzt pausierenden ehemaligen US-Giganten. Mit acht Schlägen Vorsprung vor dem australischen Debütanten Jason Day (276- 71+72+65+68) hatte McIlroy beim historischen US-Open-Rekord von 268 Schlägen (65+66+68+69) mit 16 unter Par einen «One-Man-Show» abgezogen. Allein zwölf Bestmarken stellte er dabei auf vier Runden jeweils unter dem Par-71-Platzstandard auf.

«Let's go Rory, let's go», rockten die insgesamt rund 200 000 Zuschauer beim Start-Ziel-Sieg den sympathisch-bescheidenen Wuschelkopf, als er wie ein Popstar beim Triumphzug über die 18. Spielbahn zum pompösen Clubhaus im Congressional CC gefeiert wurde. Mit dem von ihm selbst benannten «Killerinstinkt» löschte er am Sonntag die bisherige Bestmarke des einstigen US-Giganten Woods (15 unter Par) von 2000 in Pebble Beach aus.

«Ich weiß, wie gut Tiger damals war und wollte ihn eigentlich auf meine Art kopieren. Glücklicher kann ich gar nicht sein», jubelte McIlroy auf seine Art: Keine Faust, keine provozierende Geste, zu keinem Tanz um die Trophäe ließ er sich hinreißen. Dafür umarmte er lange seinen Vater. Im Spiel zeigte er positive Aggressivität, Mut zum Risiko - mit dem Repertoir eines Jahrhundert-Talents.

«So wie der 'Ror' Golf spielt, ist es ein völlig anderes Golfspiel. Es ist ganz nahe an der Perfektion», gratulierte Deutschlands Überflieger Martin Kaymer. Der Weltranglisten-Dritte wurde von Mcilroy in Bethesda auf Rang 39 zum Statisten gestempelt. Höchste Bewunderung aber kam vom US-«Golden Bear» Jack Nicklaus.

«Ich denke, dieser Bursche steht vor einer großen Karriere. Er ist bescheiden, wenn er es sein soll, und voller Selbstvertrauen, wenn er es muss.» Der inzwischen 73-Jährige Nicklaus ist mit 18 Major-Titel vor Woods (14) noch unerreicht und gilt immer noch als bester und erfolgreichster Golfprofi.