Leverkusen (dpa) - Neuer Trainer, altes Problem - das Dauerthema Michael Ballack bleibt Bayer Leverkusen auch nach dem Amtsantritt von Robin Dutt erhalten.

Wie schon über weite Strecken der vorigen Saison fokussierte sich das Interesse auch beim Trainingsstart nach der Sommerpause auf den ehemaligen Nationalspieler. Angesichts des Streits zwischen dem Mittelfeldspieler und Bundestrainer Joachim Löw blieb dem Fußball-Lehrer nur die Rolle als Nebendarsteller. Der großen Aufregung begegnete Dutt gelassen: «Es gibt keine Situation, die nicht auch einen positiven Aspekt hat. Das habe ich gelernt.»

Anders als sein zum FC Bayern München gewechselter Vorgänger Jupp Heynckes kann Dutt auf ein baldiges Ende der leidigen Debatte hoffen. Immerhin hatte Ballack im letzten Satz seiner schriftlichen Erklärung angekündigt, das Thema nun endgültig abschließen und sich «voll und ganz auf meine Ziele mit Bayer 04 Leverkusen konzentrieren» zu wollen. Dutt setzt auf eine positive sportliche Antwort des Regisseurs zum Bundesligastart: «Er wird jetzt keine Energie mehr verlieren.»

Doch so störungsfrei wie von Dutt erwünscht, wird die Vorbereitung auf die neue Saison nicht verlaufen. Schon einen Tag nach dem Trainingsauftakt ging die von Ballack für beendet erklärte Diskussion weiter. Dazu trug DFB-Präsident Theo Zwanziger mit einer Kolumne in der «Sport Bild» bei, in der er das Angebot für ein Abschiedsspiel des 98-maligen Nationalspielers trotz der Differenzen aufrecht erhielt.

Viel wird davon abhängen, wie Dutt mit den anhaltenden Störgeräuschen umgeht und wie ihm die Integration des zuletzt umstrittenen Stars ins Team gelingt. Nur dann könnte Ballack die Rolle des Leitwolfs spielen, die ihm nach seinem Transfer im vorigen Sommer vom FC Chelsea eigentlich zugedacht war. «Er wird bei mir eine wichtige Rolle spielen. Wir müssen froh sein, einen so erfahrenen Spieler in unserem jungen Kader zu haben», kommentierte Dutt.

Ein Ballack in der Gala-Form vergangener Tage könnte dazu betragen, dass der stark besetzte Kader der Leverkusener in den entscheidenden Momenten nicht wieder weit unter seinen Möglichkeiten bleibt. Dutt machte aus seinen großen Zielen keinen Hehl: «Ich bin nicht nach Leverkusen gekommen, um aus einem zweiten einen vierten oder fünften Platz zu machen.»