Düsseldorf (dpa) - Nach Sex-Skandal und 14 000 fehlerhaften Riester-Verträgen reißt der Ärger beim Erstversicherer Ergo nicht ab. Die Dienste von Prostituierten für erfolgreiche Vertreter auf einer Lustreise nach Budapest 2007 waren nach einem Bericht des «Handelsblattes» kein Einzelfall.

Außerdem könnten die fehlerhaften Riester-Verträge nach Meinung von Juristen strafrechtliche Folgen haben. Die Formularfehler wurden schon vor mehr als fünf Jahren der Antragsabteilung bekannt, wie der Ergo-Konzern bereits selbst eingeräumt hatte.

Daneben gerät nun auch die Beratung zahlreicher Kunden in die Kritik: Laut «Financial Times Deutschland» sollen Ergo-Vertreter 2009 Kunden mit beitragsfrei gestellten Lebensversicherungen geraten haben, Verträge zu kündigen und die ausgezahlten Summen in spezielle Unfallpolicen (Unfallversicherung mit Beitragsrückgewähr) zu stecken.

Verbraucherschützer vermuten, dass es um Abschlussprovisionen ging. «Einen Sinn für den Kunden kann man nicht nachvollziehen», sagte Lars Gatschke vom Verbraucherzentrale Bundesverband der Zeitung. Ergo bestreitet, dass es eine systematische Aktion war. Der Vorgang sei aufgearbeitet, Belege für Fehler lägen nicht vor, sagte ein Sprecher.

Die fehlerhaften Riester-Verträge bringen die zur Munich Re gehörenden Ergo heftige Kritik ein. Ein Sprecher des Bundes der Versicherten nannte es erschütternd, dass die Fehler der Antragsabteilung bereits vor Jahren bekannt wurde. Der Ex-Staatsanwalt und Strafrechtsexperte Volker Hoffmann (Mainz) sieht eine andere Dimension: «Es ist eine Sache, einen Rechenfehler zu übersehen. Es ist eine ganz andere Sache, einen Fehler zu bemerken, aber nichts zu tun, um das Problem aufzuklären und damit weiter von dem Fehler zu profitieren. Strafrechtlich betrachtet bewegt sich die Ergo hier im Bereich des vorsätzlichen fortgesetzten Betrugs».

Ergo hatte am Freitag angekündigt, dass etwa 14 000 Kunden wegen Fehlern in Riester-Formularen zusätzliche Leistungen erhalten werden. In einem Formular, das im zweiten Halbjahr 2005 von der Vertriebsorganisation HMI verwendet wurde, sei irrtümlich ein zu niedriger Kostensatz genannt worden.

Für die etwa 14 000 betroffenen Kunden werde Ergo den jeweiligen Vertrag mit dem niedrigeren Kostensatz neu berechnen. Der Konzern will selber auf die Kunden zugehen und unaufgefordert die Neuberechnung vornehmen. Der Fehler kostet Ergo den Angaben zufolge einen einstelligen Millionenbetrag.