Hamburg (dpa) - Facebook-Partys machen mit Schlägereien, demolierten Autos und randalierenden Hooligans Schlagzeilen. Trotzdem laden Nutzer über die Plattform zu ihren Festen ein. Drei Fragen dazu an den Soziologe Jan-Hinrik Schmidt, der am Hamburger Hans-Bredow-Institut zu Trends bei digitalen interaktiven Medien forscht.

Was macht den Reiz von Facebook aus ?

Schmidt: «Facebook schafft eine Neuform von Öffentlichkeit, die ich persönliche Öffentlichkeit nenne. Sie ist größer als die am Telefon oder auf dem Schulhof. Aber man ist selbst dafür verantwortlich, das Netzwerk anzulegen und Kontakte hinzuzufügen und hat nicht die volle Kontrolle, wie weit diese Öffentlichkeit reicht, wohin die Informationen gelangen. Facebook ist vom Grundprinzip her so eingestellt, das alles einer breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht wird.»

Warum dann Einladungen über ein offenes Netzwerk?

Schmidt: «Es ist nicht so, dass die Leute nur noch über Facebook kommunizieren. Es tritt nur als weiterer Kommunikationskanal neben andere, wie Telefon oder Postkarten. Mit Facebook kann man erweiterte soziale Beziehungen pflegen mit Leuten, die man unter anderen Umständen aus den Augen verloren hätte. Es ist kein neuer Trend, dass man auch bei privaten Feiern zu seinen Freunden sagt, ihr könnt noch jemanden mitbringen, den ich gar nicht kenne. Facebook unterstützt genau diese Art von sozialem Verhalten, die es vorher schon gab. Viele haben das Gefühl, dass sie mit Freunden von Freunden gut zurecht kommen, das sind dann keine komplett Fremden.»

Facebook ist in Deutschland rasant gewachsen und hat nach eigenen Angaben jetzt 20 Millionen aktive Nutzer. Wie sehen sie die Zukunft des Netzwerks?

Schmidt: «Facebook hat es geschafft, Masse aufzubauen. Aber es ist kein Naturgesetz, dass es so weiter geht. Es ist nicht ausgemacht, dass die heute Acht- oder Neunjährigen auch zu Facebook gehen. Schließlich ist das die Plattform ihrer Eltern. Facebook will eine Schnittstelle sein für alles, was mit sozialen Netzwerken zu tun hat. Daher muss es mehr Funktionen anbieten: Gemeinsame Mediennutzung, wie mit den Freunden zusammen per Livestream den Tatort anschauen. Oder die Möglichkeit, zusammen Texte zu schreiben. Eben stärker mit anderen kooperieren.»