Köln (dpa) - Der Begriff «Publikum» ist nach Ansicht des Berliner Medienphilosophen Norbert Bolz im Internet-Zeitalter überholt.

Es gibt kein Publikum mehr», sagte er am Montag in einem Vortrag vor dem Medienforum NRW in Köln. Das Internet sei nicht so sehr ein Medium der Informationsgewinnung als vielmehr ein Kommunikationsmedium.

Wenn man dort zum Beispiel ein Hotel buche, lese man zuvor die Bewertungen anderer Nutzer und hinterlasse nach dem Aufenthalt gegebenenfalls eine eigene Kurzkritik. Expertenwissen werde dadurch entwertet. «Am schlimmsten hat es die Ärzte getroffen, für Ärzte ist es heute schon eine Katastrophe», sagte Bolz. Was die Ärzte sagten, werde nicht mehr einfach hingenommen, sondern sofort auf Websites oder in den sozialen Netzwerken überprüft. «Die nächsten, die dran glauben müssen, sind die Politiker.» Die Bürger organisierten sich zunehmend selbst.

Die Gratis-Kultur des Internets habe auch tiefgreifende Folgen für Film und Fernsehen, sagte Bolz. «Nur da kann der Profit der Zukunft stecken, wo man prinzipiell nichts downloaden kann. Was man nicht downloaden kann, ist das Kinoerlebnis selbst.» Die «alten Medien» Film und Fernsehen täten auch gut daran, die «Wonne der Passivität» als Gegenpol zur ständigen Interaktivität herauszustellen: Denn man genieße es auch mal, gerade nicht in einen Dialog eintreten zu müssen. Hier könnten Film und Fernsehen eine «ökologische Nische» finden. Im übrigen dürfe man sich hinsichtlich der Zahlungsbereitschaft junger Mediennutzer keinen Illusionen hingeben.

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