Washington (dpa) - Der Exekutivrat des IWF war noch nicht zusammengetreten, da war es praktisch ausgemachte Sache: An die Spitze des Weltwährungsfonds rückt die französische Finanzministerin Christine Lagarde. Dank der Unterstützung durch die USA scheint bereits alles klar.

Der Internationale Währungsfonds würde damit erstmals in seiner mehr als 60-jährigen Geschichte von einer Frau geführt. Nach Europa und China erklärten am Dienstag auch die USA und Russland ihre Unterstützung für die französische Finanzministerin Christine Lagarde. Damit dürfte die 55-Jährige über ausreichend Rückhalt verfügen, um sechs Wochen nach der Festnahme des bisherigen IWF-Chefs Dominique Strauss-Kahn an die Spitze der globalen Finanzfeuerwehr zu rücken.

Der Verwaltungsrat des Fonds kam am Dienstag in Washington zusammen, um über die Nachfolge entscheiden. Es gilt als unsicher, ob noch im Laufe des Dienstag eine Entscheidung getroffen wird.

«Ministerin Lagardes außergewöhnliches Talent und ihre breite Erfahrung werden eine unschätzbare Führungsverantwortung für eine unverzichtbare Institution in einer kritischen Zeit für die Weltwirtschaft sicherstellen», teilte US-Finanzminister Timothy Geithner mit. Die USA seien «ermutigt» durch die breite Unterstützung, die sie auch von Schwellenländern erfahren habe.

Der russische Finanzminister Alexej Kudrin versprach ebenfalls die Stimme seines Landes für Lagarde. «Ich glaube, sie besitzt die nötigen Qualitäten, und wir werden ihre Kandidatur unterstützen, wenn der Exekutivrat wählt», sagte nach Angaben der russischen Agentur Itar-Tass. «Sie kann dieser wichtigen internationalen Institution Dynamik verleihen und Reformen sicherstellen.»

Nach einem Bericht der französischen Zeitung «Le Monde» könnte es noch am Dienstag zu einer Entscheidung über die Nachfolge kommen. Der Verwaltungsrat will bis Donnerstag über die Nachfolge beschließen. Zwar sei eine Abstimmung per Mehrheitsvotum möglich. Angestrebt werde aber eine Konsensentscheidung der 24 Exekutivdirektoren.

Lagardes einzigem Mitbewerber, dem mexikanischen Notenbankchef Agustín Carstens, werden kaum Chancen eingeräumt. «Ich möchte meinem Freund Agustín Carstens für seine starke und sehr glaubhafte Kandidatur mein Lob aussprechen», teilte Geithner weiter mit.