Paris/Tripolis/Kairo (dpa) - Frankreich hat als erstes westliches Land eingeräumt, die Gegner des libyschen Machthabers Muammar al-Gaddafi mit Waffen zu versorgen.

Sturmgewehre, Raketenwerfer und Panzerabwehrrohre werden seit Ende Juni per Fallschirm über einer Bergregion südwestlich von Tripolis abgeworfen. Der Generalstab der Armee bestätigte am Mittwoch der französischen Nachrichtenagentur AFP einen entsprechenden Bericht der Zeitung «Le Figaro» vom selben Tag.

Deutschland wiederum wird der Nato keine Bombenbauteile für den Libyenkrieg liefern. Das Bündnis habe ein entsprechendes Angebot abgelehnt, erklärte das Verteidigungsministerium in Berlin. Die zuständige Versorgungsagentur Namsa habe «bereits vor Wochen entschieden, das Angebot einer anderen Nation in Anspruch zu nehmen», sagte ein Sprecher. Unterdessen machen die libyschen Rebellen weiter Boden gut, ihnen fiel ein prall gefülltes Waffenlager in die Hände.

US-Präsident Barack Obama verteidigte den Militäreinsatz in Libyen gegen Kritik aus dem Kongress. Die amerikanische Beteiligung an der Operation gegen das Gaddafi-Regime sei richtig und gerechtfertigt, sagte Obama am Mittwoch in Washington. «Wir haben das Leben von Tausenden beschützt.»

Die Bundesregierung will die Beziehungen zur Übergangsregierung der Rebellen vertiefen. Aus diesem Grund sei an diesem Donnerstag ein Treffen von Außenminister Guido Westerwelle (FDP) mit deren Chef, Mahmud Dschibril, in Berlin geplant, hieß es in deutschen Diplomatenkreisen. Zuvor spricht Dschibril in Wien mit dem österreichischen Außenminister Michael Spindelegger.

Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy habe den Abwurf von Waffen über Libyen nach einem Treffen mit Vertretern der Rebellen Mitte April in Paris beschlossen, berichtete AFP unter Berufung auf nicht genannte Militärquellen. Bislang seien etwa 40 Tonnen Material an die Rebellen im Nafusa-Gebirge im Westen Libyens geliefert worden. Bisher hat nur das Golf-Emirat Katar offen zugegeben, dass es den libyschen Aufständischen mit Kriegsmaterial aushilft.

Der Abwurf von Waffen mit Hilfe von Spezialfallschirmen sei die «einzige Möglichkeit (gewesen), die Dinge voranzubringen», zitierte der «Figaro» eine ungenannte Quelle. Frankreich habe sich ohne Absprache mit den Verbündeten entschieden, die Rebellen zu bewaffnen, um einen Ausweg aus einer blockierten Situation zu finden, berichtet das Blatt. Frankreichs Regierung steht im Libyen-Einsatz unter besonderem Erfolgsdruck, da Mitte Juli das Parlament über eine Verlängerung des Einsatzes abstimmen müsste.