Berlin (dpa) - Die Deutsche Bahn gibt den Plan auf, ihr Geschäft mit Fernbuslinien auszubauen. Das Unternehmen wolle «keine unnötigen Risiken» eingehen, teilte Personenverkehrsvorstand Ulrich Homburg am Freitag in Berlin mit. Die Bahn erwartet demnach große Schwankungen in dem Segment.

Die deutschen Busunternehmen reagierten erstaunt, sehen aber trotz des Rückzugs der Bahn gute Chancen im Fernbus-Markt. Von Gewerkschaftsseite kam Kritik an der geplanten Liberalisierung.

Bislang fahren bis auf wenige Ausnahmen Fernbusse nur auf Strecken, wo es keine Bahnverbindungen gibt. Die Bundesregierung will nun zahlreiche weitere Strecken freigeben. Die Bahn betreibt schon Fernbuslinien und hatte angekündigt, nach einer Liberalisierung weiter in das Geschäft einzusteigen.

Homburg begründete den Rückzieher mit notwendigen millionenschweren Investitionen bei großen Unwägbarkeiten in dem Markt. Deshalb werde es kein Engagement über das bestehende Regional- und Fernbusgeschäft hinaus geben. Nach Informationen der «Süddeutschen Zeitung» (Freitag) hätte die Bahn einen zweistelligen Millionenbetrag für neue Busse sowie Marketing und Vertrieb investieren müssen.

Aus Sicht des Bundesverbands Deutscher Omnibusunternehmer zeigt die Entscheidung, dass auch ein Konzern der Größe der Bahn den entstehenden Markt nicht als «Gelddruckmaschine» sehe. Dennoch: «Mit der Kompetenz und Erfahrung der Unternehmer vor Ort lassen sich sinnvolle Strecken identifizieren und dem Kunden zu attraktiven Preisen anbieten.»

Die Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft spricht dagegen von einem Indiz für die Fragwürdigkeit der Regierungspläne. Die Gefahr sei, dass die Fernbuslinien nicht dauerhaft eingerichtet würden. «Zum Schluss fährt auf entsprechenden Strecken weder die Bahn noch der Fernbus - und Reisende wie Beschäftigte schauen in die Röhre.»

Bahn-Vorstand Homburg sagte: «Wir werden die Marktentwicklung weiter beobachten und unsere Geschäftsaktivitäten danach ausrichten.» Die Bahn ist selbst Deutschlands größter Busanbieter. Zur Flotte gehören rund 13 000 Busse. Der Konzern betreibt auch Fernbuslinien, etwa von und nach Berlin, das zu Mauerzeiten von den allgemeinen Beschränkungen ausgenommen wurde.